# Esperanto Pronomen: mi, vi, li, ŝi, si und mehr

Source: https://esperantopedia.org/de/grammatik/pronomen/
Language: de
Updated: 2026-10-28

> Esperanto-Pronomen folgen einem Muster: -n fürs Objekt, -a für den Besitz (mi, min, mia). Tabelle, si oder li, das alte ci und das inoffizielle ri.

Die Personalpronomen des Esperanto sind *mi* – „ich“, *vi* – „du, ihr, Sie“, *li* – „er“, *ŝi* – „sie“, *ĝi* – „es“, *ni* – „wir“, *ili* – „sie“ (Plural), *oni* – „man“ und das Reflexivpronomen *si*. Mit *-n* bildest du das Objekt (*min* – „mich“), mit *-a* den Besitz (*mia* – „mein“). Weitere Formen gibt es nicht.

Statt der vier deutschen Formen („ich, mich, mir, meiner“) hat Esperanto zwei: *mi, min*. Für „mir“ steht *al mi*, für „meiner“ *de mi*.

Diese neun Pronomen stehen in Regel 5 der [16 Regeln](https://esperantopedia.org/de/grammatik/16-regeln/). Ein zehntes, *ci*, kommt nur im Wörterbuch des Fundamento vor und wird fast nie benutzt.

## Alle Personalpronomen

| Pronomen | Deutsch | Objekt (-n) | Possessiv (-a) |
|---|---|---|---|
| *mi* | ich | *min* – mich | *mia* – mein, meins |
| *vi* | du, ihr, Sie | *vin* – dich, euch, Sie | *via* – dein, euer, Ihr |
| *li* | er | *lin* – ihn | *lia* – sein |
| *ŝi* | sie | *ŝin* – sie | *ŝia* – ihr |
| *ĝi* | es | *ĝin* – es | *ĝia* – sein |
| *ni* | wir | *nin* – uns | *nia* – unser |
| *ili* | sie (Plural) | *ilin* – sie | *ilia* – ihr |
| *oni* | man | *onin* – einen (selten) | *onia* – jemandes (allgemein; selten) |
| *si* | (reflexiv) | *sin* – sich | *sia* – sein eigenes, ihr eigenes |

- **vi** ist Singular und Plural, vertraut und höflich zugleich. Ein Wort deckt „du“, „ihr“ und das höfliche „Sie“ ab. Das Fundamento übersetzt *vi* ins Deutsche mit „du, Ihr“. Die Frage, ob man duzt oder siezt, entfällt.
- **ĝi** gilt für Dinge, Tiere und kleine Babys. Anders als im Deutschen richtet es sich nicht nach dem grammatischen Geschlecht: „der Tisch – er“, „die Lampe – sie“, „das Buch – es“, aber *la tablo – ĝi*, *la lampo – ĝi*, *la libro – ĝi*.
- **ili** gilt für jede Gruppe von Personen oder Dingen, ohne Geschlecht. Es entspricht dem deutschen „sie“ (Plural), nicht dem höflichen „Sie“ (das ist *vi*).
- **oni** bedeutet Menschen im Allgemeinen und entspricht fast genau dem deutschen „man“: *Oni diras, ke…* – „Man sagt, dass …“, *Oni parolas Esperanton tie.* – „Dort spricht man Esperanto.“ *Onin* (wie deutsch „einen“) und *onia* sind regelmäßig gebildet, werden aber selten gebraucht.

Die Objektform folgt den Regeln des [Akkusativs](https://esperantopedia.org/de/grammatik/akkusativ/): *Ŝi amas lin.* – „Sie liebt ihn.“ *Ĉu vi vidis min?* – „Hast du mich gesehen?“

## Possessivpronomen gleichen sich wie Adjektive an

Possessivpronomen sind Adjektive, sie übernehmen also *-j* und *-n* von ihrem Substantiv:

| | Singular | Plural |
|---|---|---|
| **Subjekt** | *mia libro* | *miaj libroj* |
| **Objekt** | *mian libron* | *miajn librojn* |

Im Deutschen ändert sich das Possessivpronomen nach Genus, Zahl und Fall („mein, meine, meinem, meiner, meines“); im Esperanto gibt es nur diese vier Formen.

Ein Possessivpronomen macht das Substantiv schon bestimmt und wird deshalb vor einem Substantiv nie mit *la* verbunden: *mia libro*, nicht *la mia libro*. Allein bedeutet *la mia* „meins“: *Tiu ĉambro estas la mia.* – „Dieses Zimmer ist meins.“ Siehe [Artikel](https://esperantopedia.org/de/grammatik/artikel/).

## Si, sin, sia: das Reflexivpronomen

*Si* verweist auf das Subjekt seines eigenen Satzes zurück, und nur, wenn dieses Subjekt die dritte Person ist: *li, ŝi, ĝi, ili, oni* oder ein Substantiv.

| Satz | Bedeutung |
|---|---|
| *Petro lavas sin.* | „Peter wäscht sich.“ |
| *Petro lavas lin.* | „Peter wäscht ihn“ (einen anderen Mann). |
| *Ŝi vizitis sian patrinon.* | „Sie besuchte ihre (eigene) Mutter.“ |
| *Ŝi vizitis ŝian patrinon.* | „Sie besuchte ihre Mutter“ (die einer anderen Frau). |

Zwei Regeln verhindern die meisten Fehler:

1. **Nur dritte Person.** Für *mi, vi, ni* gelten ihre eigenen Formen: *Mi lavas min.* – „Ich wasche mich.“ *Ni amas nian urbon.* – „Wir lieben unsere Stadt.“ Im Deutschen ist es genauso: „sich“ gibt es nur in der dritten Person, sonst „mich, dich, uns, euch“.
2. **Nie im Subjekt.** *Anna kaj ŝia fratino venis.* – „Anna und ihre Schwester kamen.“ *Sia* wäre hier falsch, weil die Wortgruppe selbst das Subjekt ist. Mit *kun* wird es richtig: *Anna kun sia fratino venis.*

### Si und sia gegenüber dem Deutschen

Das deutsche „sein“ und „ihr“ lässt offen, ob das Eigene gemeint ist: „Peter besucht seine Mutter“ kann Peters eigene Mutter meinen oder die eines anderen. Das Esperanto trennt beides: *Petro vizitas sian patrinon* (Peters eigene Mutter), aber *Petro vizitas lian patrinon* (die Mutter eines anderen Mannes).

Viele deutsche Verben mit „sich“ sind im Esperanto nicht reflexiv:

| Deutsch | Esperanto |
|---|---|
| Ich freue mich. | *Mi ĝojas.* |
| Ich erinnere mich an dich. | *Mi memoras vin.* |
| Ich irre mich. | *Mi eraras.* |
| Ich fürchte mich. | *Mi timas.* |
| Wir treffen uns. | *Ni renkontiĝas.* |
| Er setzt sich. | *Li sidiĝas.* |
| Ich wasche mich. | *Mi lavas min.* |

Nur das letzte Verb braucht auch im Esperanto ein Reflexivpronomen. Die Endung *-iĝ-* (siehe [Verben](https://esperantopedia.org/de/grammatik/verben/)) übernimmt in vielen Fällen die Rolle des deutschen „sich“.

## Ci: das alte „du“

Das Wörterbuch des Fundamento enthält *ci*, ein vertrautes „du“ im Singular, die 16 Regeln erwähnen es aber nicht. Das PMEG stellt fest, dass *ci* nie wirklich gebraucht wurde und viele Sprecher es nicht verstehen würden. Im normalen Esperanto steht immer *vi*.

## Ri und geschlechtsneutrale Pronomen

Esperanto hat kein offizielles Pronomen für eine einzelne Person unbekannten oder unbestimmten Geschlechts. Traditionell nahm man *li*, was zunehmend als sexistisch kritisiert wird. Zamenhof erlaubte auch *ĝi* für Personen unbekannten Geschlechts, doch das PMEG warnt, dass es bei Erwachsenen entmenschlichend wirken kann.

Das inoffizielle Pronomen *ri* (*rin*, *ria*) bedeutet „er oder sie“ für eine Person, unabhängig vom Geschlecht. Das PMEG führt es als inoffiziell und stellt fest, dass es sich recht weit verbreitet hat, besonders unter jungen Sprechern. Laut der englischen Wikipedia war es 2019 der beliebteste geschlechtsneutrale Vorschlag; die Akademio de Esperanto hat es nicht übernommen.

- *Mia amiko diris, ke ri venos.* – „Eine befreundete Person sagte, dass sie kommt.“

Auch im Deutschen sucht man Wege zu geschlechtsneutralem Ausdruck. Im Esperanto betrifft das Problem vor allem die Pronomen: Wörter wie *amiko* oder *instruisto* sagen an sich nichts über das Geschlecht, und erst *-in-* macht sie ausdrücklich weiblich.

## Pronomen nach Präpositionen

Nach einer Präposition bleiben Pronomen in der Grundform: *kun mi* – „mit mir“, *por vi* – „für dich“, *al ŝi* – „zu ihr“. Wo das Deutsche zwischen „mir“ und „mich“ wählt, steht im Esperanto nach der Präposition immer *mi*. Der Empfänger einer Handlung bekommt *al*: *Donu al mi la libron.* – „Gib mir das Buch.“ Siehe [Präpositionen](https://esperantopedia.org/de/grammatik/praepositionen/).

## Beispiele in Sätzen

- *Mi amas vin.* – „Ich liebe dich.“
- *Ni parolis pri vi hieraŭ.* – „Wir haben gestern über dich gesprochen.“
- *Ŝi donis al li sian libron.* – „Sie hat ihm ihr eigenes Buch gegeben.“
- *Ŝi donis al li lian libron.* – „Sie hat ihm sein Buch gegeben.“
- *Ili vizitis siajn gepatrojn.* – „Sie haben ihre eigenen Eltern besucht.“
- *Li lavas sin ĉiumatene.* – „Er wäscht sich jeden Morgen.“
- *La hundo ludas kun sia pilko.* – „Der Hund spielt mit seinem Ball.“
- *Ĉu tiu ombrelo estas via aŭ mia?* – „Ist dieser Regenschirm deiner oder meiner?“
- *Oni diras, ke la vintro estos malvarma.* – „Man sagt, dass der Winter kalt wird.“

## Häufige Fragen

### Wie sagt man auf Esperanto höflich „Sie“?
Mit *vi*, für eine Person oder viele, förmlich oder vertraut. Für zusätzliche Höflichkeit ergänzt du eine Anrede wie *sinjoro* – „Herr“ oder *sinjorino* – „Frau“.

### Was ist der Unterschied zwischen sia und lia?
*Sia* verweist auf das Subjekt des Satzes zurück: *Li legas sian libron* – „Er liest sein (eigenes) Buch“. *Lia* meint jemand anderen: *Li legas lian libron* – „Er liest sein (eines anderen Mannes) Buch“.

### Gibt es im Esperanto ein geschlechtsneutrales Pronomen?
Offiziell nicht. Das inoffizielle *ri* ist die am weitesten verbreitete Lösung; *li* und *ĝi* wurden traditionell für Personen unbekannten Geschlechts benutzt.

### Wird ci im Esperanto noch benutzt?
Fast nie. Es steht nur im Wörterbuch des Fundamento, und das PMEG empfiehlt, immer *vi* zu benutzen.

### Wie sagt man „meins“ oder „deins“?
Nimm das Possessivpronomen mit *la*: *la mia* – „meins“, *la via* – „deins“. Es gleicht sich wie ein Adjektiv an: *Viaj ŝuoj estas novaj, la miaj estas malnovaj.* – „Deine Schuhe sind neu, meine sind alt.“

## Quellen

- [Fundamento de Esperanto, Regel 5 (auf Deutsch)](https://www.akademio-de-esperanto.org/fundamento/gramatiko_germana.html) – Akademio de Esperanto
- PMEG: [Personaj pronomoj](https://bertilow.com/pmeg/gramatiko/pronomoj/personaj.html), [Posedaj pronomoj](https://bertilow.com/pmeg/gramatiko/pronomoj/posedaj.html), [Dua persono (vi, ci)](https://bertilow.com/pmeg/gramatiko/pronomoj/dua.html), [Tria persono (li, ŝi, ĝi, ri)](https://bertilow.com/pmeg/gramatiko/pronomoj/tria.html), [Si en simplaj frazoj](https://bertilow.com/pmeg/gramatiko/pronomoj/si/simplaj_frazoj.html)
- [Sprachbau des Esperanto](https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachbau_des_Esperanto) – Wikipedia; [Gender reform in Esperanto](https://en.wikipedia.org/wiki/Gender_reform_in_Esperanto) – Wikipedia (englisch)
