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Pasporta Servo: kostenlos übernachten bei Esperantisten

Ein kostenloses Bett in 121 Ländern bei Gastgebern, die Esperanto sprechen – das Gastgebernetz, das die TEJO seit 1974 betreibt.

Aktualisiert: 7 Min. Lesezeit

Pasporta Servo („Passdienst“) ist ein kostenloses Gastgebernetz für Esperanto-Sprecher. Seine Website nannte im März 2026 mehr als 2400 Gastgeber in 121 Ländern und 1801 Städten, eine Zahl, die am 7. Oktober 2026 noch auf der Startseite stand. Gastgeber stellen reisenden Esperanto-Sprechern ein Bett, ein Sofa oder einen Fußboden unentgeltlich zur Verfügung; Gast und Gastgeber unterhalten sich auf Esperanto. Betrieben wird das Netz von der Weltorganisation der Esperanto-Jugend (TEJO). Es besteht seit 1974, zuerst als gedrucktes Buch, seit 2009 als Website.

Was ist Pasporta Servo?

Es ist ein Verzeichnis von Menschen, die Gäste kostenlos bei sich zu Hause aufnehmen. Seit 1974 hilft es, Kontakte über Sprach-, Kultur- und Altersgrenzen hinweg zu knüpfen. Zwei Bedingungen gelten für alle, die es nutzen, ob als Gastgeber oder Gast: Du musst mindestens 16 Jahre alt sein, und du musst Esperanto können. Eine Prüfung und ein festes Niveau verlangt der Dienst nicht.

Gastgeber müssen kein Bett anbieten. Die Seite nennt weitere Möglichkeiten mitzumachen: einem Besucher eine Mahlzeit kochen, die Stadt zeigen oder sich auf einen Kaffee treffen, um Esperanto zu üben.

Wie begann Pasporta Servo?

Die Idee stammt vom argentinischen Psychologen Rubén Feldman González, der 1966 ein „Programo Pasporto“ vorschlug. Das erste Verzeichnis in der heutigen Form erschien 1974 mit etwa 40 Gastgebern unter der französischen Esperantistin Jeanne-Marie Cash. Die Quellen nennen für dieses erste Jahr 39 oder 40 Gastgeber.

Das Verzeichnis wuchs in den gedruckten Jahren langsam und hat sich zwischen 2008 und 2026 etwa verdoppelt. 2008 kündigte der Vorstand der TEJO eine Webversion nach dem Vorbild von Diensten wie Couchsurfing an; sie ging im März 2009 als Pasporta Servo 2.0 online, programmiert vom Esperantisten Joan Català aus Valencia, und wurde auf dem 65. Internationalen Jugendkongress in Liberec eingeweiht.

Gastgeber von Pasporta Servo, 1974–2026
Daten anzeigen
JahrGastgeberLänderAnmerkung
197439–4019Erstes Verzeichnis
198036048
2000107576
2008122590Vor der Website
201797481Letztes gedrucktes Buch; nur bestätigte Gastgeber
20262400+121Website, 1801 Städte

Die Zahlen sind nicht streng vergleichbar: Die gedruckten Bücher zählten Gastgeber, deren Daten für die Ausgabe bestätigt waren, die Website zählt registrierte Gastgeber. Eine neue gedruckte Ausgabe, die erste seit 2017, plant die TEJO für 2026 gemeinsam mit dem Esperanto-Weltbund (UEA), und das Netz sucht ehrenamtliche Landesorganisatoren, die die Gastgeberdaten aktuell halten.

Wie funktioniert Pasporta Servo?

  1. Registriere dich auf der Website. Die Registrierung ist für Gastgeber und Gäste kostenlos; du kannst auch ein Konto anlegen, ohne eine Unterkunft einzutragen.
  2. Suche nach Land, Region oder Stadt oder stöbere in der Karte. Jedes Gastgeberprofil zeigt die Bedingungen, zum Beispiel „nicht rauchen“, „Haustiere willkommen“, die Zahl der Gäste, die Aufenthaltsdauer oder die nötige Vorlaufzeit.
  3. Schreib dem Gastgeber rechtzeitig. Gäste müssen sich vor der Ankunft anmelden. Sag, wer du bist, welche Nächte du brauchst und wann du ankommst. Wenige Gastgeber nehmen Gäste ohne Vorankündigung auf, aber wirklich nur wenige.
  4. Besprecht die Einzelheiten. Gastgeber und Gast klären die Nächte, die Ankunftszeit und weitere Hilfe, etwa Mahlzeiten oder einen Stadtrundgang.
  5. Bleiben, reden, danke sagen. Der Aufenthalt ist unbezahlt. Ein handgeschriebenes Dankeschön oder ein kleines Geschenk aus deiner Heimat ist eine höfliche Art, sich zu bedanken.

Eine erste Nachricht könnte so lauten:

Saluton! Mi nomiĝas Anna kaj en Majo mi vojaĝos tra Pollando. Ĉu vi povus gastigi min dum du noktoj, de la 3-a ĝis la 5-a de Majo? Mi lernas Esperanton jam unu jaron. – „Hallo! Ich heiße Anna und reise im Mai durch Polen. Könntest du mich für zwei Nächte aufnehmen, vom 3. bis zum 5. Mai? Ich lerne seit einem Jahr Esperanto.“

Nützlich für solche Nachrichten sind diese Wörter: gasto „Gast“, gastiganto „Gastgeber“, gastigi „beherbergen, als Gast aufnehmen“ und tranokti „übernachten“. Städtenamen lauten auf Esperanto zum Teil anders als bei uns: Munkeno „München“, Kolonjo „Köln“, Nurenbergo „Nürnberg“, Vieno „Wien“; Berlino, Hamburgo und Dresdeno erkennst du leicht wieder.

Was sind die Regeln von Pasporta Servo?

Die Nutzungsbedingungen und die FAQ der Seite legen diese Regeln fest:

  • Kostenlose Unterkunft. Gäste dürfen nach Absprache ohne Bezahlung übernachten. Gastgeber dürfen für das Bett kein Geld verlangen.
  • Mahlzeiten und Extras werden gesondert vereinbart. Ein Gastgeber muss kein Essen anbieten und darf die Kosten für Mahlzeiten verlangen; klärt das vor der Ankunft.
  • Gastgeber dürfen ablehnen. Ein Gastgeber darf jede Anfrage ohne Begründung ablehnen. Sagt einer ab, frag einen anderen.
  • Gäste halten sich an die Bedingungen des Gastgebers, wie sie im Profil stehen und in den Nachrichten vereinbart wurden.
  • Keine Hilfe mit Papieren. Von Gastgebern wird nicht erwartet, Visa oder Einladungsschreiben zu besorgen. Gäste kümmern sich selbst um Genehmigungen.
  • Nur für die Gastfreundschaft. Der Dienst darf nicht für Hilfegesuche, Brieffreundschaften, Einladungsschreiben, Werbung oder Anwerbung genutzt werden.
  • Keine Garantien. Laut den Bedingungen kann das Team nicht garantieren, dass die Angaben stimmen, und übernimmt keine Verantwortung für Missbrauch. Nutzer sollen Missbrauch dem Team melden.

Wie gut muss mein Esperanto für Pasporta Servo sein?

Die Bedingungen verlangen nur Esperanto-Kenntnisse, ohne Test. In der Praxis musst du dich vorstellen, Termine schriftlich vereinbaren und beim Essen ein einfaches Gespräch führen können. Nach unserer Einschätzung ist das nach einem Anfängerkurs wie unserem kostenlosen Kurs mit 12 Lektionen plus etwas Sprechübung ein realistisches Ziel; siehe Wie lange dauert es, Esperanto zu lernen? Lerne vor der Reise den Wortschatz der Reisewendungen.

Gastgeber sind verschieden; nenne deshalb in deiner ersten Nachricht dein Niveau und bitte darum, langsam zu sprechen. Laut der Seite helfen Gastgeber Gästen oft auch bei Verkehrsmitteln und beim Kennenlernen des Ortes.

Was sollten Deutschsprachige bei Pasporta Servo beachten?

  • Auch unter Deutschsprachigen zählt Esperanto. Der Sinn des Netzes ist, Esperanto zu sprechen; das gilt auch, wenn Gast und Gastgeber zufällig dieselbe Muttersprache haben.
  • Vorher üben. In Deutschland führt der Deutsche Esperanto-Bund (DEB) Ortsgruppen, Kurse und Gesprächsübungen („Aktives Sprechen“) auf esperanto.de auf. Für junge Leute gibt es die Deutsche Esperanto-Jugend (DEJ); mehr dazu unter Esperanto-Organisationen.
  • Dank auf Esperanto. Zum Abschied passt Dankon pro la gastigo! – „Danke für die Gastfreundschaft!“

Worin unterscheidet sich Pasporta Servo von Couchsurfing?

Pasporta ServoCouchsurfing
Betrieben vonTEJO, der Esperanto-JugendorganisationEinem Unternehmen, gewinnorientiert seit 2011
StartGedrucktes Verzeichnis 1974; Website 2009Website am 12. Juni 2004 gestartet
Kosten für MitgliederKostenlosKostenpflichtige Mitgliedschaft seit Mai 2020
SpracheEsperanto für Gastgeber und Gäste verlangtJede Sprache
Größe2400+ Gastgeber, 121 Länder (2026)Millionen Mitglieder; Wikipedia nennt 12 Millionen
ZweckKostenlose Aufenthalte und Esperanto-PraxisAllgemeine Reisegastfreundschaft und Treffen

Pasporta Servo ist viel kleiner; in einer Kleinstadt gibt es vielleicht keinen Gastgeber. Der Vorteil: Jeder Gastgeber spricht die Sprache, die du lernst. Eine weitere kostenlose Alternative ohne Sprachvoraussetzung ist BeWelcome, das seit Februar 2007 von Freiwilligen betrieben und über Spenden finanziert wird.

Ist Pasporta Servo sicher?

Wer bei Fremden übernachtet, geht immer ein gewisses Risiko ein, und die Seite verspricht keinen Schutz. Sie bietet Profile, das Recht beider Seiten abzulehnen und ein Team, das Meldungen über Missbrauch bearbeitet. Vernünftige Gewohnheiten helfen:

  • Lies das Profil des Gastgebers und schreibt euch vorher mehrmals.
  • Sag einer Freundin oder einem Freund, wo du übernachtest, und schick die Kontaktdaten des Gastgebers mit.
  • Erwäge ein erstes Treffen im Café; die Seite nennt das als eine Möglichkeit für Gastgeber mitzumachen.
  • Vertrau deinem Gefühl und geh, wenn du dich unwohl fühlst.

Vorsicht vor Betrug. Am 10.–12. Dezember 2025 legten Kriminelle mehrere Konten an, umgingen den Schutz vor automatischen Anmeldungen und verschickten über die Seite betrügerische Nachrichten, meist auf Esperanto, um Kreditkartendaten zu stehlen (Phishing). Der Rat des Teams: Echte Bestätigungsanfragen kommen als direkte E-Mails, offizielle Links führen auf pasportaservo.org, und du solltest nie persönliche oder Zahlungsdaten auf einer Seite eingeben, die ein anderer Nutzer dich besuchen lässt.

Wie werde ich Gastgeber bei Pasporta Servo?

Klicke auf der Website auf „Registrieren“, vervollständige dein Profil mit einer Beschreibung, Adresse, Telefonnummer und öffentlicher E-Mail-Adresse und lege deine Bedingungen fest. Die vollständigen Angaben sind nicht für alle sichtbar, sondern nur mit deiner Zustimmung. Gastgeber zu sein ist freiwillig und kostenlos, und du kannst Zeiten eintragen, in denen du nicht aufnehmen kannst. Um Gast zu sein, musst du nicht selbst Gastgeber sein.

Sprichst du noch kein Esperanto, fang mit den kostenlosen Ressourcen an. Andere Wege, Sprecher vorher zu treffen, sind Clubs und Veranstaltungen wie der Esperanto-Weltkongress.

Häufige Fragen

Ist Pasporta Servo kostenlos?

Ja. Der Dienst verlangt von Gastgebern und Gästen kein Geld, und Gastgeber dürfen für die Unterkunft nichts berechnen. Ein Gastgeber darf dich bitten, Kosten für Mahlzeiten zu teilen, vereinbart das also vorher. Spenden an die TEJO sind willkommen, aber freiwillig.

Muss ich fließend Esperanto sprechen, um Pasporta Servo zu nutzen?

Ein offizielles Niveau ist nicht vorgeschrieben, aber beide Seiten erwarten, dass sie Esperanto sprechen. Wenn du dich vorstellen, eine Bitte äußern und einen Abend lang einfach reden kannst, kannst du anfangen. Sag in deiner ersten Nachricht, dass du Anfänger bist.

Wie viele Gastgeber hat Pasporta Servo?

Mehr als 2400 Gastgeber in 121 Ländern und 1801 Städten laut der Website (Meldung vom 18. März 2026, am 7. Oktober 2026 noch angezeigt). Frühere Zahlen waren niedriger: 974 bestätigte Gastgeber im gedruckten Buch von 2017.

Wer betreibt Pasporta Servo?

Die Weltorganisation der Esperanto-Jugend (TEJO) mit Freiwilligen. Die TEJO ist eine Jugendorganisation mit einer Altersgrenze von 35 Jahren, aber Pasporta Servo steht auch Erwachsenen offen; die einzige Altersregel ist ein Mindestalter von 16.

Wie lange darf ich bei einem Gastgeber bleiben?

Das hängt vom Gastgeber ab. Jedes Profil nennt eine Grenze: Manche Gastgeber nehmen nur für eine Nacht auf, anderen ist die Dauer egal. Besprecht die Zahl der Nächte, bevor du kommst.

Quellen

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