Redewendungen
Danke, bitte, Entschuldigung auf Esperanto: Höflichkeit
Esperanto hat weder ein förmliches „Danke“ noch ein getrenntes „Sie“ und „du“ – Dankon! passt zu jedem, und Höflichkeit entsteht durch die Wörter, die du ergänzt.
„Danke“ heißt auf Esperanto Dankon! (DAN-kon). „Bitte“ ist bonvolu (bon-WO-lu) vor einem Verb oder mi petas (mi PE-tas) nach einer Bitte. „Entschuldigung“ ist Pardonu! (par-DO-nu), für echtes Bedauern Mi bedaŭras (mi be-DAU-ras). Die Aussprachehilfen auf dieser Seite schreiben die Laute mit deutschen Buchstaben und zeigen die betonte Silbe in Großbuchstaben; sie ist immer die vorletzte (siehe Alphabet).
Kurzübersicht
| Deutsch | Esperanto | Aussprache | Übliche Antwort |
|---|---|---|---|
| Danke | Dankon! | DAN-kon | Ne dankinde. |
| Vielen Dank | Multan dankon! | MUL-tan DAN-kon | Ne dankinde. |
| Bitte (Antwort auf Dank), gern geschehen | Ne dankinde. | ne dan-KIN-de | – |
| Bitte (vor einem Verb) | Bonvolu sidiĝi. | bon-WO-lu ßi-DI-dschi | Dankon. |
| Bitte (beim Bitten um etwas) | Akvon, mi petas. | AK-won mi PE-tas | Jen. |
| Bitte sehr, hier (beim Überreichen) | Jen! | jen | Dankon! |
| Entschuldigung, Verzeihung | Pardonu (min)! | par-DO-nu (min) | Ne gravas. |
| Es tut mir leid | Mi bedaŭras. | mi be-DAU-ras | Ne gravas. |
| Ich bitte um Verzeihung | Mi pardonpetas. | mi par-don-PE-tas | Ne gravas. |
| Gesundheit! / Prost! | Sanon! | SSA-non | Dankon. |
| Guten Appetit! | Bonan apetiton! | BO-nan a-pe-TI-ton | Dankon, ankaŭ al vi. |
Das deutsche „bitte“ hat im Esperanto vier Entsprechungen
Das deutsche „bitte“ deckt mehrere Situationen ab, für die Esperanto jeweils ein eigenes Wort hat:
| Deutsch | Situation | Esperanto | Aussprache |
|---|---|---|---|
| Bitte setz dich. | Aufforderung, vor einem Verb | Bonvolu sidiĝi. | bon-WO-lu ßi-DI-dschi |
| Ein Wasser, bitte. | Bitte um etwas, nachgestellt | Akvon, mi petas. | AK-won mi PE-tas |
| Bitte sehr! / Hier, bitte. | Etwas überreichen | Jen! | jen |
| Bitte! / Bitte schön! | Antwort auf „Danke“ | Ne dankinde. | ne dan-KIN-de |
Dahinter steckt ein Zusammenhang, den das Deutsche selbst zeigt: „bitte“ ist laut Wiktionary aus „ich bitte …“ entstanden, also vom Verb „bitten“. Mi petas ist genau diese Form: mi „ich“ und petas „bittet“ (peti heißt in ReVo „bitten“, „erbitten“). Darum steht mi petas wie ein nachgestelltes „bitte“ hinter der Bitte. Bonvolu dagegen kommt von bonvoli, das ReVo mit „die Güte haben, so gut sein“ übersetzt, und verlangt einen Infinitiv.
Eine typische Falle für Deutschsprachige: Im Deutschen steht „bitte“ vor dem Imperativ („Bitte setz dich“). Sagst du auf Esperanto Bonvolu sidu, setzt du zwei Befehlsformen hintereinander; das PMEG rät davon ab. Nach bonvolu kommt der Infinitiv: Bonvolu sidiĝi. Für „Wie bitte?“, wenn du etwas nicht verstanden hast, sagst du Bonvolu ripeti – „Bitte wiederhole“ (siehe grundlegende Redewendungen).
Danke sagen
Dankon ist der Akkusativ von danko „Dank“; das PMEG sieht darin eine Kurzform von Mi donas al vi dankon – „Ich gebe dir Dank“. Dieselbe Wurzel liefert danki „danken“, danka „dankbar“ und dankinda „dankenswert“ (siehe Wortbildung). Die Wurzel selbst stammt laut Wiktionary aus dem Deutschen: danko geht auf „Dank“ zurück.
- Multan dankon! – „vielen Dank“.
- Koran dankon! (KO-ran DAN-kon) – „herzlichen Dank“, von koro „Herz“.
- Dankegon! (dan-KE-gon) – „großen Dank“; -eg- verstärkt, und das PMEG nennt genau dieses Wort als Beispiel.
- Mi dankas vin. (mi DAN-kas win) – „Ich danke dir“ oder „Ich danke Ihnen“, ein vollständiger Satz.
Den Grund nennst du mit pro oder por und einem Substantiv: Dankon pro via helpo (DAN-kon pro WI-a HEL-po) – „Danke für deine Hilfe“. Das PMEG hält beides für richtig; Zamenhofs Fundamento benutzt por (Mi dankas vin por la prunto), heute ist pro sehr verbreitet. Bei einer Handlung nimmst du ke: Dankon, ke vi venis – „Danke, dass du gekommen bist“.
Eine Falle, die du aus dem Deutschen kennst: ReVo warnt, dass ein bloßes Dankon als Antwort auf ein Angebot unklar ist. Auch das deutsche „danke“ kann laut Wiktionary kurz zustimmen oder ablehnen. Auf Ĉu vi deziras kafon? („Möchtest du Kaffee?“) sag deshalb Jes, dankon oder Ne, dankon.
Auf Dank antworten
Ne dankinde (ne dan-KIN-de) ist die übliche Antwort und entspricht „bitte schön“, „gern geschehen“ oder „keine Ursache“. Wörtlich heißt es „nicht dankenswert“ (ne + dank- + -ind- „würdig“ + -e), und man schreibt es auch zusammen: nedankinde. ReVo zitiert Ne dankinde, estas mia plezuro – „Gern geschehen, es ist mir ein Vergnügen“ – und den Scherz Ne dankinde, sed kisinde! – „nicht dankenswert, aber küssenswert“. In Kurznachrichten wird daraus ND.
Volonte (wo-LON-te) heißt „gern“ (ReVo: „gern, bereitwillig“) und antwortet auf eine Bitte oder ein Angebot, wie in den Übungen des Fundamento: Tre volonte, mia bona – „Sehr gern, meine Gute“. Es ist nicht die übliche Antwort auf Dankon: Für „gern geschehen“ sagst du Ne dankinde.
Bitte sagen
Esperanto hat kein einzelnes „bitte“, sondern mehrere Konstruktionen.
- Bonvolu + Infinitiv – von bonvoli „die Güte haben“ (bon- „gut“ + vol- „wollen“): Bonvolu sidiĝi – „Bitte setz dich“. Das PMEG warnt vor einem zweiten Imperativ (Bonvolu sidu), erwähnt, dass Zamenhof das schlichtere volu sidiĝi schrieb, und lässt Bonvole sidu als logische Alternative gelten.
- …, mi petas – „ich bitte dich“, nach der Bitte angehängt: Akvon, mi petas – „Wasser, bitte“; Sidiĝu, mi petas – „Setz dich, bitte“.
- Jen! – „bitte sehr, hier“, wenn man etwas überreicht; ReVo definiert es als Wort, das die Aufmerksamkeit lenkt, wie in jen prenu seĝon „hier, nimm einen Stuhl“.
Entschuldigung sagen
Pardonu! oder Pardonu min! (par-DO-nu min) heißt wörtlich „verzeih (mir)“. ReVo definiert es als Bitte, ein Ärgernis ohne Zorn hinzunehmen. Du benutzt es, wenn du jemanden anrempelst, unterbrichst oder eine Frage einleitest: Pardonu, ĉu la sidloko estas okupita? – „Entschuldigung, ist dieser Platz besetzt?“ Pardonu min und Pardonu al mi sind beide richtig; das Fundamento kennt beide.
Mi bedaŭras heißt „ich bedauere“ und passt zu Absagen und schlechten Nachrichten: Mi bedaŭras, sed tio ne eblas – „Es tut mir leid, aber das ist nicht möglich“. Das Wort bedaŭri kommt laut Wiktionary aus dem deutschen „bedauern“. Mi pardonpetas ist ein förmlicheres „ich bitte um Verzeihung“; das PMEG sieht Mi sincere pardonpetas pro la malfruiĝo als bedeutungsnah zu Pardonu min pro la malfruiĝo!
Auf eine Entschuldigung antwortest du mit Ne gravas (ne GRA-was) – „das macht nichts“ – oder mit Ne zorgu – „mach dir keine Sorgen“.
„Entschuldigung“ im Deutschen und im Esperanto
Das deutsche „Entschuldigung“ muss zwei Aufgaben erfüllen: Es macht auf sich aufmerksam („Entschuldigung, wie komme ich zum Bahnhof?“) und es entschuldigt kleine Missgeschicke. Beides leistet im Esperanto Pardonu!. Für größere Anlässe gibt es eigene Wendungen:
| Deutsch | Esperanto |
|---|---|
| Entschuldigung! / Verzeihung! | Pardonu! / Pardonu min! |
| Es tut mir leid. | Mi bedaŭras. |
| Es tut mir sehr leid. | Mi tre bedaŭras. |
| Ich bitte aufrichtig um Verzeihung für die Verspätung. | Mi sincere pardonpetas pro la malfruiĝo. |
| Verzeihung für die Verspätung! | Pardonu min pro la malfruiĝo! |
Das PMEG nennt die beiden letzten Sätze als bedeutungsnah. Das Wort ekskuzi sieht nach dem deutschen „entschuldigen“ aus, und ReVo übersetzt es auch so; die Definition lautet aber „einen Grund oder Vorwand anführen, um jemanden zu entlasten oder einen Vorwurf zu mildern“. Als Höflichkeitsformel ist Pardonu! die übliche Wendung.
Weitere Höflichkeitsformeln
- Sanon! (SSA-non) – wörtlich „Gesundheit“; nach dem Niesen oder als Trinkspruch.
- Bonan apetiton! (BO-nan a-pe-TI-ton) – ReVo nennt es einen Wunsch vor dem Essen: „Guten Appetit!“
- Ĝis! und Ĝis revido! – siehe Begrüßung und Abschied.
Weitere Alltagswendungen findest du unter grundlegende Esperanto-Redewendungen; die erste Lektion des Kurses stellt Begrüßungen in einem Dialog vor, und das Wörterbuch zeigt, wie jedes Wort gebaut ist.
Gibt es förmliche und vertraute Formen des Dankes auf Esperanto?
Nein. Esperanto hat kein getrenntes förmliches und vertrautes „Danke“: Dankon! passt zu jedem, und den Ton bestimmst du mit zusätzlichen Wörtern wie multan, koran oder Mi tre dankas vin pro…. Bei Bitten und Entschuldigungen ist es genauso.
Eine grobe Skala
Diese Einteilung stammt von uns und ist keine offizielle Skala.
| Stufe | Dank | Bitte |
|---|---|---|
| Alltäglich | Dankon! | Salon, mi petas. – „Das Salz, bitte.“ |
| Höflich | Multan dankon!, Dankegon! | Bonvolu doni al mi la salon. – „Bitte gib mir das Salz.“ |
| Förmlich | Koran dankon!, Mi tre dankas vin pro… | Ĉu vi bonvolus doni al mi la salon? – „Würden Sie mir bitte das Salz reichen?“ |
Auch Ĉu vi povus…? – „Könntest du …?“ oder „Könnten Sie …?“ – ergibt laut PMEG eine höfliche Bitte.
Sie und du: nur vi, dazu Anreden
Esperanto hat kein förmliches „Sie“: vi steht für eine Person oder viele, für Freund und Fremden (siehe Pronomen). Für Deutschsprachige heißt das: Die Wahl zwischen Duzen und Siezen entfällt. „Du“, „ihr“ und „Sie“ übersetzt du alle mit vi, und das Verb bleibt gleich: Ĉu vi parolas Esperanton? – „Sprichst du Esperanto?“, „Sprecht ihr Esperanto?“ oder „Sprechen Sie Esperanto?“. Das PMEG hält vi außerdem für völlig neutral gegenüber Rang oder Stellung. Ein einzelnes ci (für „du“) steht zwar in der Wörterliste des Fundamento, wurde laut PMEG aber nie wirklich gebraucht und hat keine feste Nuance, also lass es weg.
Respekt zeigt sich stattdessen in Anreden: sinjoro „Herr“ (ßin-JO-ro), sinjorino „Frau“ (ßin-jo-RI-no) und gesinjoroj „Herrschaften, Damen und Herren“ (ge-ßin-JO-roj). Vor eine Anrede setzt du nie la: Estimata prezidanto… – „Sehr geehrter Herr Vorsitzender …“ (Beispiel aus dem PMEG). An einen Freund schreibst du Kara Maria – „Liebe Maria“.
Häufige Fragen
Wie sagt man „danke“ auf Esperanto?
Dankon! (DAN-kon). Für „vielen Dank“ sagst du Multan dankon!, für „danke für deine Hilfe“ Dankon pro via helpo.
Was antwortet man auf „dankon“?
Ne dankinde (ne dan-KIN-de), wörtlich „nicht dankenswert“; es entspricht „bitte schön“ und „gern geschehen“. Auch Nedankinde in einem Wort ist richtig.
Wie sagt man „bitte“ auf Esperanto?
Es gibt vier Wörter: bonvolu vor einem Infinitiv (Bonvolu atendi – „Bitte warte“), mi petas nach der Bitte (Kafon, mi petas – „Einen Kaffee, bitte“), jen beim Überreichen („bitte sehr“) und ne dankinde als Antwort auf „danke“.
Wie sagt man „Entschuldigung“ auf Esperanto?
Pardonu! für „Entschuldigung“ oder eine kleine Entschuldigung, Mi bedaŭras für echtes Bedauern („Es tut mir leid“), Mi pardonpetas für eine förmliche Bitte um Verzeihung.
Gibt es im Esperanto ein „Sie“?
Nein. Vi gilt für „du“, „ihr“ und „Sie“. Höflichkeit entsteht durch Wörter wie bonvolu, sinjoro und estimata.
Quellen
- PMEG: Mallongigitaj frazoj – Dankon! als Kurzform
- PMEG: Ĝentila peto – bonvolu, mi petas, volu
- PMEG: Pro kaj Por – Danken mit pro oder por, por
- PMEG: Dua persono – vi und ci
- PMEG: Alvoko – jemanden anreden (sinjoro, estimata)
- PMEG: Al – Pardonu al mi / Pardonu min
- PMEG: Fraztipoj kaj frazfunkcioj – Mi pardonpetas, Ĉu vi povus…?
- PMEG: Sufikso EG – dankegon
- Fundamento: Ekzercaro (Mi dankas vin por la prunto; Tre volonte; Pardonu al mi) und Universala Vortaro (ci, bedaŭr', volont', sinjor')
- ReVo: danki, peti, bonvoli, pardoni, ekskuzi, bedaŭri, volonte, jen, apetito, sinjoro
- Wiktionary (Deutsch): bitte (Herkunft: vom Verb „bitten“) und danke (kurz zustimmen oder ablehnen)
- Wiktionary (Englisch): ne dankinde, bonvoli, danko, bedaŭri, sanon, ne gravas
- Omniglot: Useful Esperanto phrases (Dankon / Dankegon)
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