Grammatik
Der Akkusativ im Esperanto (-n): der komplette Leitfaden
Ein Buchstabe, fünf Aufgaben – lerne, wo -n steht, und genauso wichtig, wo es nie steht.
Der Akkusativ im Esperanto ist die Endung -n. Seine Hauptaufgabe ist es, das direkte Objekt zu markieren, also die Person oder Sache, auf die sich das Verb richtet: Mi vidas la katon – „Ich sehe die Katze“. Er drückt außerdem Richtung (en la domon – „ins Haus“), Datum (lundon – „am Montag“) und Maß (du horojn – „zwei Stunden lang“) aus.
Esperanto hat nur zwei Fälle, die Grundform und den Akkusativ; alle anderen Beziehungen drücken Präpositionen aus (Regel 2). Dativ und Genitiv gibt es also nicht, und das -n hängt am Substantiv, nicht am Artikel: la bleibt immer gleich, im Gegensatz zu deutsch „der – den“.
Das PMEG formuliert es so: In einem Esperanto-Satz zeigt eine Präposition oder die Endung -n die Rolle eines Wortes an, und ein Substantiv ohne Präposition und ohne -n ist in der Regel das Subjekt (oder beschreibt nach esti das Subjekt). Deshalb sagt -n überall dort „Das ist nicht das Subjekt“, wo das nicht schon eine Präposition tut: Im Satz La katon vidas la hundo – „Der Hund sieht die Katze“ – kann la katon nicht das Subjekt sein, egal, wo es steht.
Die fünf Aufgaben von -n
| Aufgabe | Beispiel | Übersetzung |
|---|---|---|
| Direktes Objekt | Mi legas libron. | „Ich lese ein Buch.“ |
| Richtung (wohin) | Ŝi iras en la parkon. | „Sie geht in den Park.“ |
| Zeitpunkt (wann) | Ni venos lundon. | „Wir kommen am Montag.“ |
| Maß (wie lange, wie viel) | Ĝi kostas dek eŭrojn. | „Es kostet zehn Euro.“ |
| Ersatz für je (selten) | Mi ridas lian naivecon. | „Ich lache über seine Naivität.“ |
Welche Wörter -n bekommen
Die Endung steht an Wörtern, die eine Sache benennen oder beschreiben, immer nach -j:
| Wortart | Grundform | Mit -n |
|---|---|---|
| Substantiv | kato, katoj | katon, katojn |
| Adjektiv | granda, grandaj | grandan, grandajn |
| Personalpronomen | mi, li, ili | min, lin, ilin |
| Possessivpronomen | mia | mian |
| Tabellwort auf -u, -a, -o | kiu, tia, tio | kiun, tian, tion |
| Ortswort (nur Richtung) | hejme, tie, kie | hejmen, tien, kien |
Nie bekommen -n: Verben, der Artikel la, Präpositionen, Konjunktionen, Zahlwörter wie du oder tri und die Tabellwörter auf -el, -am, -om, -al, -es (kiel, kiam, kiom, kial, kies). Deshalb heißt es Mi havas du katojn – „Ich habe zwei Katzen“, niemals dun katojn.
1. Das direkte Objekt
Das Objekt antwortet auf die Frage „wen?“ oder „was?“ nach dem Verb. Weil -n es markiert, kann die Wortstellung wechseln, ohne dass sich der Sinn ändert; steht la katon vorn, verschiebt sich nur die Betonung. Rückt das -n an la hundon, ändert sich, wer wen gebissen hat:
La hundo Subjekt mordis Verb la katon Objekt
La katon Objekt mordis Verb la hundo Subjekt
Der Hund hat die Katze gebissen.
La kato Subjekt mordis Verb la hundon Objekt
Die Katze hat den Hund gebissen.
Alles, was das Objekt beschreibt, bekommt ebenfalls -n: Mi aĉetis tiun belan ruĝan aŭton. – „Ich habe dieses schöne rote Auto gekauft.“ Siehe Substantive und Adjektive und Pronomen.
Objekte, die kein -n tragen können
Infinitive, Sätze mit ke – „dass“ und Zitate haben keinen Platz für eine Endung. Ihre Rolle ist trotzdem klar:
- Mi volas dormi. – „Ich will schlafen.“
- Mi scias, ke vi venos. – „Ich weiß, dass du kommen wirst.“
Grüße und Dank
Viele Alltagsformeln enden auf -n: Saluton! – „Hallo!“, Dankon! – „Danke!“, Bonan tagon! – „Guten Tag!“, Bonvenon! – „Willkommen!“. Es sind Objekte eines unausgesprochenen Verbs: (Mi deziras al vi) bonan tagon – „(Ich wünsche dir) einen guten Tag“. Auch im Deutschen stehen diese Grüße im Akkusativ, das siehst du am -en von „Guten Tag!“, „Guten Morgen!“ und „Vielen Dank!“. Mehr in Grüße.
2. Richtung: wohin
Nach einer Ortspräposition macht -n aus „wo“ ein „wohin“:
| Lage (ohne -n) | Bewegung (mit -n) |
|---|---|
| en la domo – „im Haus“ | en la domon – „ins Haus“ |
| sur la tablo – „auf dem Tisch“ | sur la tablon – „auf den Tisch“ |
| trans la rivero – „auf der anderen Seite des Flusses“ | trans la riveron – „über den Fluss (hinüber)“ |
| antaŭ la domo – „vor dem Haus“ | antaŭ la domon – „vor das Haus“ |
Der Unterschied zählt: La kato saltas sur la tablo – „Die Katze springt auf dem Tisch (herum)“, aber La kato saltas sur la tablon – „Die Katze springt auf den Tisch (hinauf)“.
Ort (wo?)
La kato saltas sur la tablo.
Die Katze springt auf dem Tisch (herum).
Richtung (wohin?)
La kato saltas sur la tablon.
Die Katze springt auf den Tisch (hinauf).
Nur Präpositionen, die auch einen Ort bezeichnen können, nehmen dieses -n an: en, sur, sub, antaŭ, apud, inter, trans und andere. Al „zu, nach“, el „aus“, de „von“ und ĝis „bis“ bezeichnen nie einen Ort, deshalb bekommen sie nie -n nach sich. Man sagt Mi iras al la urbo – „Ich gehe in die Stadt“, nicht al la urbon. Das -n der Richtung bedeutet immer eine Bewegung auf einen Ort zu, nie von ihm weg (PMEG). Die vollständige Liste steht auf der Seite zu den Präpositionen.
Ortsadverbien und Ortswörter nehmen für die Richtung -n ohne jede Präposition: hejmen – „nach Hause“, supren – „nach oben“, tien – „dorthin“, Kien vi iras? – „Wohin gehst du?“. Ein Ortsname kann dasselbe tun (Mi veturos Parizon – „Ich fahre nach Paris“, aus dem Ekzercaro des Fundamento), aber laut PMEG steht das bloße -n in der Praxis fast nur bei Namen von Städten und Ländern, wenn man in den Ort hineingeht, und ist heute sehr selten, fast archaisch; üblich ist al Parizo.
Die Richtung kann auch übertragen sein, bei einer Zustandsänderung: La sorĉisto ŝanĝis la princon en ranon. – „Der Zauberer verwandelte den Prinzen in einen Frosch.“
3. Zeit: wann
Eine Zeitangabe mit -n und ohne Präposition sagt, wann etwas geschieht:
- lundon – „am Montag“
- la 5-an de Majo – „am 5. Mai“
- ĉiun tagon – „jeden Tag“
- unu tagon – „eines Tages“
Das kennst du aus dem Deutschen: „jeden Tag“ und „diesen Montag“ stehen ebenfalls im Akkusativ. Dasselbe geht auch mit einer Präposition: en la sama tago = la saman tagon – „am selben Tag“. Für Uhrzeiten nimmt man je: je la deka – „um zehn Uhr“, während la dekan „am zehnten“ (Tag des Monats) bedeutet.
4. Maß: wie lange, wie weit, wie viel
-n gibt auch Dauer, Entfernung, Preis, Gewicht und Alter an:
- Mi dormis ok horojn. – „Ich habe acht Stunden geschlafen.“
- Ni marŝis dek kilometrojn. – „Wir sind zehn Kilometer gelaufen.“
- La libro kostas dek eŭrojn. – „Das Buch kostet zehn Euro.“
- Li estas dudek jarojn aĝa. – „Er ist zwanzig Jahre alt.“
Auch hier steht im Deutschen der Akkusativ („Es kostet zehn Euro“, „Wir gingen einen Kilometer“). Für die Dauer geht auch dum – „während“: dum ok horoj.
5. Anstelle von je
Regel 14 erlaubt -n anstelle der bedeutungslosen Präposition je: Mi ridas je lia naiveco = Mi ridas lian naivecon. Das PMEG merkt an, dass dies heute eher selten ist; die Sprecher bevorzugen eine klare Präposition. Das Fundamento zeigt es an ĝoji je tio – „sich darüber freuen“; ebenso geht ĝoji tion.
Wann kein -n steht
Hier passieren die meisten Fehler. Lass -n in diesen Fällen weg:
- Nach esti, iĝi und ŝajni. Das Wort danach beschreibt das Subjekt und ist kein Objekt. Mi estas instruisto. – „Ich bin Lehrer.“ Ŝi iĝis kuracisto. – „Sie wurde Ärztin.“ Das ist wie im Deutschen: nach „sein“, „werden“ und „bleiben“ steht der Nominativ.
- Wenn das Subjekt hinter dem Verb steht. Hieraŭ okazis grava afero. – „Gestern ist etwas Wichtiges geschehen.“ Bei okazi – „geschehen“, manki – „fehlen“, resti – „bleiben“ und aperi – „erscheinen“ steht das Subjekt oft am Ende. Mankas al mi tempo – „Mir fehlt Zeit“: tempo ist das Subjekt, genau wie im Deutschen, und bekommt kein -n.
- Nach den meisten Präpositionen. kun mia amiko – „mit meinem Freund“, pri la libro – „über das Buch“. Nur die Richtung nach einer Ortspräposition fügt -n hinzu.
- Bei Ergebnis oder Beschreibung des Objekts. Mi farbis la pordon verda. – „Ich habe die Tür grün gestrichen.“ Vergleiche Mi farbis la verdan pordon. – „Ich habe die grüne Tür gestrichen.“
- Beim indirekten Objekt. Hier steht al: Mi donis libron al ŝi. – „Ich habe ihr ein Buch gegeben.“
Der deutsche und der Esperanto-Akkusativ
Deutschsprachige haben beim Akkusativ einen Vorsprung: Das Deutsche kennt ihn auch, und er steht in sehr ähnlichen Fällen. Der Unterschied liegt in der Form. Im Deutschen trägt der Artikel den Fall (den Hund, einen Hund), im Esperanto das Substantiv samt seinen Adjektiven (la hundon, hundon). Außerdem zeigt im Deutschen nur das Maskulinum den Akkusativ: „der Hund“ wird zu „den Hund“, aber „die Katze“ und „das Kind“ bleiben gleich. Esperanto markiert den Akkusativ immer.
Wechselpräpositionen: wo oder wohin
Im Deutschen wechseln neun Präpositionen (an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen) zwischen Dativ für den Ort und Akkusativ für die Richtung. Esperanto macht es genauso, nur mit -n statt mit einem anderen Artikel:
| Deutsch: wo? (Dativ) | Deutsch: wohin? (Akkusativ) | Esperanto: wo? | Esperanto: wohin? |
|---|---|---|---|
| im Park | in den Park | en la parko | en la parkon |
| auf dem Tisch | auf den Tisch | sur la tablo | sur la tablon |
| unter dem Bett | unter das Bett | sub la lito | sub la liton |
| vor dem Haus | vor das Haus | antaŭ la domo | antaŭ la domon |
| hinter dem Haus | hinter das Haus | malantaŭ la domo | malantaŭ la domon |
| neben dem Fenster | neben das Fenster | apud la fenestro | apud la fenestron |
| zwischen den Bäumen | zwischen die Bäume | inter la arboj | inter la arbojn |
| über der Stadt | über die Stadt | super la urbo | super la urbon |
Die Parallele hat Grenzen. Im Deutschen verlangen auch „zur Schule“, „nach Hause“ oder „aus dem Haus“ einen festen Fall; im Esperanto bleiben al, el, de und ĝis immer ohne -n: „zur Schule“ heißt al la lernejo, „aus dem Haus“ heißt el la domo.
Wo das Deutsche anders denkt
Der Fall im Deutschen hängt oft am Verb: helfen verlangt den Dativ, sehen den Akkusativ. Im Esperanto entscheidet allein die Rolle des Wortes im Satz, und nur wenige Verben weichen vom deutschen Muster ab:
| Deutsch | Esperanto | Hinweis |
|---|---|---|
| „Ich helfe ihm.“ (Dativ) | Mi helpas lin. | helpi hat ein Akkusativobjekt |
| „Ich danke dir.“ (Dativ) | Mi dankas vin. | danki ebenso |
| „Ich folge ihm.“ (Dativ) | Mi sekvas lin. | sekvi ebenso |
| „Das Buch gefällt mir.“ (Dativ) | La libro plaĉas al mi. | plaĉi steht mit al; „das Buch“ ist das Subjekt |
| „Ich gebe ihm das Buch.“ | Mi donas la libron al li. | Der Empfänger bekommt al, kein -n |
| „Ich warte auf dich.“ | Mi atendas vin. | kein „auf“; das Objekt trägt -n |
| „Es gibt einen Hund.“ | Estas hundo. | estas ist kein Verb mit Objekt, also kein -n |
Merke: Über -n entscheidet nur die Rolle des Wortes, nicht das Verb und nicht die Verneinung. Auch nach ne bleibt der Akkusativ: Mi ne havas tempon. – „Ich habe keine Zeit.“ Ein deutsches „kein“ wird im Esperanto also meist zu ne plus Objekt mit -n.
Häufige Fehler
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Mi vidas la kato. | Mi vidas la katon. | Das Objekt braucht -n. |
| Mi vidas bela katon. | Mi vidas belan katon. | Adjektive übernehmen das -n. |
| Mi havas du katonj. | Mi havas du katojn. | -j steht vor -n. |
| Mi iras al la urbon. | Mi iras al la urbo. | Al heißt schon „zu, nach“. |
| Mi estas en la domon. | Mi estas en la domo. | Keine Bewegung, also kein -n. |
| Okazis akcidenton. | Okazis akcidento. | Es ist das Subjekt, nicht das Objekt. |
| Mi donis ŝin libron. | Mi donis al ŝi libron. | Der Empfänger bekommt al. |
| Mi helpas al li. | Mi helpas lin. | Deutsch „helfen“ hat den Dativ, helpi den Akkusativ. |
| Estas hundon en la ĝardeno. | Estas hundo en la ĝardeno. | Wie bei „es gibt“ kein Objekt: hundo ist das Subjekt. |
Akkusativ und Wortstellung
Weil das Objekt -n trägt, sind alle sechs Anordnungen von Subjekt, Verb und Objekt grammatisch: Petro amas Marian, Marian amas Petro, Amas Petro Marian und so weiter. Die neutrale Reihenfolge ist Subjekt–Verb–Objekt.
Im Deutschen geht „Den Hund beißt die Katze“ nur, weil das Maskulinum den Akkusativ zeigt; bei „Die Katze sieht das Kind“ bleibt formal offen, wer wen sieht. Im Esperanto sagt -n es immer.
Steht das Objekt am Satzanfang, bekommt es Gewicht: Kafon mi ne trinkas, sed teon mi ŝatas. – „Kaffee trinke ich nicht, aber Tee mag ich.“ Kann ein Objekt kein -n tragen, etwa ein fremder Name, bleib bei der neutralen Reihenfolge. Mehr zur Wortstellung.
Kurzcheck: -n oder nicht
- Bewegung auf einen Ort hin nach en, sur, sub und ähnlichen Präpositionen? Setze -n.
- Objekt des Verbs (nicht nach esti, iĝi, ŝajni)? Setze -n an das Objekt und an jedes Wort, das es beschreibt.
- Datum oder Maß ohne Präposition? Setze -n.
- Alles andere nach einer Präposition? Kein -n.
Häufige Fragen
Was ist der Akkusativ im Esperanto?
Es ist die Endung -n, die an Substantive, Adjektive, Pronomen und einige Tabellwörter tritt. Sie markiert das direkte Objekt und außerdem Richtung, Datum und Maß.
Warum enden Grüße im Esperanto auf -n?
Es sind verkürzte Sätze. Bonan tagon! steht für (Mi deziras al vi) bonan tagon – „(Ich wünsche dir) einen guten Tag“; der Gruß ist also das Objekt eines unausgesprochenen Verbs. Im Deutschen ist es derselbe Fall: „Guten Tag!“
Gibt es im Esperanto einen Dativ?
Nein. Der Empfänger einer Handlung wird mit al angeschlossen: Mi donas la libron al li. – „Ich gebe ihm das Buch.“ Einige Verben, die im Deutschen den Dativ verlangen, haben im Esperanto ein Akkusativobjekt: Mi helpas lin – „Ich helfe ihm.“
Steht nach Präpositionen ein -n?
Normalerweise nicht: kun mi – „mit mir“, al la urbo – „in die Stadt“. Die Ausnahme ist die Richtung nach einer Ortspräposition wie en, sur oder sub: en la domon – „ins Haus“.
Bekommt das Adjektiv auch -n?
Ja. Jedes Adjektiv, Possessivpronomen und Tabellwort, das das Objekt beschreibt, nimmt -n an: Mi perdis mian novan telefonon. – „Ich habe mein neues Telefon verloren.“
Quellen
- Fundamento de Esperanto, Regeln 2, 8, 13 und 14 (auf Deutsch) – Akademio de Esperanto
- PMEG, Kapitel über die N-Endung: Überblick, Grundregeln, Objekt, Richtung, Zeitpunkt, Maß, anstelle von je
- Sprachbau des Esperanto und Akkusativ – Wikipedia
- „Bonan matenon“ und das unausgesprochene Verb – Usona Esperantisto, 2022
Wenn Esperantopedia dir geholfen hat, kannst du sie unterstützen.