Esperantopedia

Grammatik

Esperanto Verben: Zeiten, Konjugation und esti

Sechs Endungen, keine Personalformen und keine unregelmäßigen Verben: Das ganze Verbsystem passt in eine Tabelle.

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit

Esperanto-Verben haben sechs Endungen und ändern sich nicht nach Person oder Zahl. Mi parolas, vi parolas, ŝi parolas, ili parolas – „ich spreche, du sprichst, sie spricht, sie sprechen“: eine Form pro Zeit. Es gibt keine unregelmäßigen Verben, nicht einmal esti – „sein“.

Die sechs Verbendungen

EndungNameBeispielÜbersetzung
-iInfinitivparoli„sprechen“
-asPräsensmi parolas„ich spreche, ich bin am Sprechen“
-isVergangenheitmi parolis„ich sprach, ich habe gesprochen“
-osFuturmi parolos„ich werde sprechen“
-usKonditionalmi parolus„ich würde sprechen“
-uVolitiv (Befehl, Wunsch)parolu!„sprich!“

Die Vokale folgen einem Muster: a ist Gegenwart, i Vergangenheit, o Zukunft. Dieselben Vokale kehren in den Partizipien -ant-, -int- und -ont- wieder.

jetzt

Die vollständige Konjugation von paroli – „sprechen“

PersonPräsensVergangenheitFuturKonditionalVolitiv
ichmi parolasmi parolismi parolosmi parolusmi parolu
duvi parolasvi parolisvi parolosvi parolusvi parolu
er, sie, esli, ŝi, ĝi parolasli, ŝi, ĝi parolisli, ŝi, ĝi parolosli, ŝi, ĝi parolusli, ŝi, ĝi parolu
wirni parolasni parolisni parolosni parolusni parolu
ihrvi parolasvi parolisvi parolosvi parolusvi parolu
sie (Plural)ili parolasili parolisili parolosili parolusili parolu
manoni parolasoni parolisoni parolosoni parolusoni parolu
Deutschsprichtsprach, hat gesprochenwird sprechenwürde sprechensoll sprechen, möge sprechen

Jedes Verb der Sprache folgt dieser Tabelle. Nur das Subjekt ändert sich, deshalb braucht man das Pronomen: parolas allein sagt nicht, wer spricht. Siehe Pronomen. Im Deutschen verrät schon die Endung die Person („-e, -st, -t, -en, -t, -en“); im Esperanto musst du das Pronomen oder Substantiv nennen. Dafür entfallen starke Verben, Vokalwechsel und Umlaute („sprechen – sprach – gesprochen“, „ich nehme – du nimmst“).

Esti – „sein“

FormEsperantoDeutsch
Infinitivestisein
Präsensestasbin, bist, ist, sind, seid
Vergangenheitestiswar, waren, bin gewesen
Futurestoswerde sein
Konditionalestuswäre
Volitivestusei!, möge sein
Partizipienestanta, estinta, estontaseiend, gewesen, im Begriff zu sein
  • Mi estas feliĉa. – „Ich bin glücklich.“
  • Ili estis hejme. – „Sie waren zu Hause.“
  • Estu trankvila! – „Sei ruhig!“
  • Estas tri katoj en la ĝardeno. – „Im Garten sind drei Katzen.“

Das Wort nach esti bekommt nie die Objektendung -n: Mi estas instruisto – „Ich bin Lehrer“. Das gilt auch für deutsches „es gibt“, das einen Akkusativ nach sich hat: „Es gibt einen Hund“ heißt Estas hundo. Siehe den Akkusativ.

Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft

-as deckt ab, was jetzt geschieht, Gewohnheiten und allgemeine Wahrheiten. Es gilt auch für Zustände, die früher begannen und noch andauern: Mi loĝas ĉi tie tri jarojn. – „Ich wohne seit drei Jahren hier.“

-is deckt jede Art von Vergangenheit ab: Mi jam manĝis. – „Ich habe schon gegessen.“ Hieraŭ mi laboris. – „Gestern habe ich gearbeitet.“

-os ist die Zukunft: Morgaŭ mi vizitos vin. – „Morgen werde ich dich besuchen.“ Im Deutschen genügt für die Zukunft oft das Präsens („Morgen besuche ich dich“); im Esperanto steht dafür regelmäßig -os.

In der indirekten Rede behält das Verb die Zeit der ursprünglichen Worte: Li diris, ke li volas manĝi. – „Er sagte, dass er essen wolle“ (wörtlich: „… essen will“). Einen Konjunktiv I wie „wolle“ braucht das Esperanto nicht.

Das Perfekt gibt es nicht

Das deutsche Perfekt mit „haben“ oder „sein“ hat im Esperanto kein Hilfsverb: Die Vergangenheit auf -is deckt Präteritum und Perfekt ab.

DeutschEsperanto
Ich lerne.Mi lernas.
Ich lernte.Mi lernis.
Ich habe gelernt.Mi lernis.
Ich bin gegangen.Mi iris.
Ich habe gewusst.Mi sciis.
Ich werde lernen.Mi lernos.

Konditional -us

-us beschreibt, was vorgestellt oder unwirklich ist, ohne Zeitbezug. In Wenn-Sätzen über etwas Vorgestelltes stehen beide Teile auf -us:

  • Se mi havus tempon, mi venus. – „Wenn ich Zeit hätte, käme ich.“
  • Mi ŝatus kafon. – „Ich hätte gern einen Kaffee.“
  • Ĉu vi povus helpi min? – „Könntest du mir helfen?“

Das Deutsche braucht dafür den Konjunktiv II („käme, hätte, könnte“) oder die „würde“-Umschreibung; im Esperanto genügt eine Endung ohne Sonderformen. Für „hätte gegessen“ und ähnliche Formen siehe Partizipien.

Für reale Möglichkeiten nimmt man die gewöhnlichen Zeiten: Se pluvos, mi restos hejme. – „Wenn es regnet, bleibe ich zu Hause.“ Esperanto setzt in beiden Teilen das Futur; das Deutsche nimmt hier das Präsens.

Volitiv -u: Befehle, Wünsche, „lass uns“

-u zeigt, was jemand will, erbittet oder befiehlt:

  • Venu! – „Komm!“
  • Ni iru! – „Gehen wir!“
  • Li atendu. – „Er soll warten.“
  • Mi volas, ke vi venu. – „Ich will, dass du kommst.“
  • Ĉu ni iru? – „Sollen wir gehen?“

Das deutsche Imperativsystem („komm, kommt, kommen Sie“) hat im Esperanto nur eine Form. Das höfliche „bitte“ ist bonvolu plus Infinitiv: Bonvolu sidiĝi. – „Bitte setz dich.“

Zusammengesetzte Zeiten, kurz

Esti plus ein Partizip ergibt feinere Zeitunterschiede und das Passiv:

FormBeispielÜbersetzung
estas + -intaMi estas manĝinta.„Ich habe gegessen (bin mit dem Essen fertig).“
estis + -intaMi estis manĝinta, kiam li venis.„Ich hatte gegessen, als er kam.“
estas + -itaLa pordo estas fermita.„Die Tür ist geschlossen.“
estis + -ita + deLa letero estis skribita de Anna.„Der Brief wurde von Anna geschrieben.“

Das PMEG rät, in den meisten Fällen die einfachen Formen zu benutzen. Einzelheiten stehen unter Partizipien.

Transitiv und intransitiv: -ig- und -iĝ-

Jede Verbwurzel ist entweder transitiv (sie nimmt ein Objekt) oder intransitiv. Fermi – „schließen“ ist transitiv: Mi fermas la pordon. – „Ich schließe die Tür.“ Um „die Tür schließt sich“ zu sagen, ergänze -iĝ-: La pordo fermiĝas.

-ig- wirkt umgekehrt und bedeutet „veranlassen“: morti – „sterben“ → mortigi – „töten“. Beide können an einer Wurzel stehen: sidi – „sitzen“, sidiĝi – „sich hinsetzen“, sidigi – „(jemanden) setzen“. Mehr dazu unter Suffixe.

Das Deutsche löst diese Unterscheidung mit „sich“ („öffnen – sich öffnen“) oder mit Wortpaaren („sterben – töten“, „sitzen – setzen“, „liegen – legen“). Im Esperanto ist es ein einheitliches System: -iĝ- bedeutet „werden, sich“, -ig- bedeutet „machen“.

Beispiele in Sätzen

  • Mi legas libron. – „Ich lese ein Buch.“
  • Hieraŭ mi legis la tutan tagon. – „Gestern habe ich den ganzen Tag gelesen.“
  • Morgaŭ mi legos la novan ĉapitron. – „Morgen werde ich das neue Kapitel lesen.“
  • Kiam vi telefonis, mi kuiris. – „Als du angerufen hast, habe ich gerade gekocht.“
  • Mi ŝatus legi pli ofte. – „Ich würde gern öfter lesen.“
  • Se mi estus vi, mi ne farus tion. – „Wenn ich du wäre, würde ich das nicht tun.“
  • Legu laŭte, mi petas! – „Lies bitte laut!“
  • Ni iru al la biblioteko! – „Gehen wir in die Bibliothek!“
  • Mi deziras, ke vi estu feliĉa. – „Ich wünsche mir, dass du glücklich bist.“
  • Mi ne komprenas la demandon. – „Ich verstehe die Frage nicht.“

Häufige Fragen

Wie viele Zeiten hat Esperanto?

Drei einfache Zeiten: Präsens -as, Vergangenheit -is und Futur -os. Dazu kommen Konditional -us, Volitiv -u und Infinitiv -i, und das sind alle sechs Verbendungen.

Gibt es unregelmäßige Verben im Esperanto?

Nein. Jedes Verb, auch esti – „sein“, havi – „haben“ und iri – „gehen“, hat dieselben sechs Endungen.

Wie sagt man auf Esperanto „ich habe gegessen“?

Mi manĝis. Das deutsche Perfekt mit „haben“ oder „sein“ braucht im Esperanto kein Hilfsverb; die Vergangenheit auf -is deckt es ab.

Wie sagt man „lass uns“ im Esperanto?

Nimm ni mit der -u-Form: Ni iru! – „Gehen wir!“, Ni manĝu! – „Lasst uns essen!“.

Wie verneint man ein Verb?

Setze ne davor: Mi ne komprenas. – „Ich verstehe nicht.“ Mehr dazu unter Fragen und Verneinung.

Gibt es im Esperanto eine Verlaufsform wie „ich bin am Essen“?

Mi manĝas bedeutet sowohl „ich esse“ als auch „ich bin am Essen“. Eine zusammengesetzte Form wie mi estas manĝanta gibt es, sie wird aber selten gebraucht.

Quellen

Wenn Esperantopedia dir geholfen hat, kannst du sie unterstützen.