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Grammatik

Esperanto -ig- und -iĝ-: transitive und intransitive Verben

Das Deutsche lässt „öffnen“ und „beginnen“ oft beides leisten; das Esperanto gibt jeder Aufgabe ein eigenes Verb, und -ig- und -iĝ- schalten zwischen ihnen um.

Aktualisiert: 7 Min. Lesezeit

Jedes Esperanto-Verb nimmt entweder ein direktes Objekt (transitiv) oder keines (intransitiv), und die Suffixe -ig- und -iĝ- wechseln zwischen beidem. -Ig- fügt einen Handelnden und ein Objekt hinzu: sidi – „sitzen“ → sidigi – „(jemanden) setzen“. -Iĝ- nimmt das Objekt weg: fermi – „(etwas) schließen“ → fermiĝi – „sich (von selbst) schließen“. Beide sind offizielle Suffixe aus dem Fundamento von 1905.

Das Deutsche verdeckt den Unterschied teilweise, denn „öffnen“, „schließen“ und „beginnen“ gehen mit und ohne Objekt: „Ich öffne die Tür“ und „Der Laden öffnet um neun“. Wo das Deutsche mit „sich“ ausdrückt, dass etwas von selbst geschieht („Die Tür öffnet sich“), steht im Esperanto -iĝ-. Das Esperanto braucht also zwei Formen: Mi malfermis la pordon. und La pordo malfermiĝis. Ein bloßes La pordo malfermis ist ein Fehler.

Mit -iĝ- wird das Objekt zum Subjekt, mit -ig- wird das Subjekt zum Objekt:

Mi Subjekt malfermis Verb la pordon Objekt

Ich habe die Tür geöffnet.

La pordo Subjekt malfermiĝis Verb

Die Tür öffnete sich.

La infano Subjekt dormas Verb

Das Kind schläft.

Ŝi Subjekt dormigas Verb la infanon Objekt

Sie bringt das Kind zum Schlafen.

Transitiv oder intransitiv?

Ein transitives Verb kann ein direktes Objekt haben, das -n trägt (siehe Akkusativ). Frage nach dem Verb „wen?“ oder „was?“. Mi fermas la pordon – „Ich schließe die Tür“: Die Antwort ist la pordon, also ist fermi transitiv. Mi dormas – „Ich schlafe“ hat keine Antwort, also ist dormi intransitiv.

Einer bloßen Verbwurzel sieht man nicht an, zu welcher Art sie gehört; das hängt von der Bedeutung ab, und Wörterbücher halten es fest. ReVo, das freie Esperanto-Wörterbuch, markiert die meisten Verben mit tr (transitiv), ntr (intransitiv) oder x (beides). Jedes Wurzelverb in den Tabellen unten wurde dort geprüft, und seine Markierung steht dabei.

Manche Verben gehen in beide Richtungen. ReVo markiert paroli mit x: Ŝi parolas. – „Sie spricht.“ und Ŝi parolas Esperanton. – „Sie spricht Esperanto.“ Einige intransitive Verben nehmen ein Objekt an, das nur die Handlung wiederholt: Mi dancis valson. – „Ich tanzte einen Walzer.“

Transitive Wurzeln: -iĝ- nimmt das Objekt weg

Setze -iĝ- an, wenn das Objekt zum Subjekt wird und die Handlung von selbst geschieht oder niemanden interessiert, wer sie ausführt. Vergleiche:

  • La infano rompis la glason. – „Das Kind zerbrach das Glas.“
  • La glaso rompiĝis. – „Das Glas zerbrach.“
VerbReVoBedeutungMit -iĝ-Bedeutung
komencitr(etwas) beginnenkomenciĝibeginnen (ein Ereignis)
finitr(etwas) beendenfiniĝizu Ende gehen, enden
fermitrschließenfermiĝisich schließen, zugehen
malfermitröffnenmalfermiĝisich öffnen
vekitr(jemanden) weckenvekiĝiaufwachen
movitr(etwas) bewegenmoviĝisich bewegen, sich rühren
turnitr(etwas) drehenturniĝisich drehen
ŝanĝitr(etwas) ändernŝanĝiĝisich ändern, sich verändern
rompitrzerbrechenrompiĝizerbrechen, kaputtgehen
levitrhebenleviĝiaufsteigen, sich erheben
trovitrfindentroviĝisich befinden
detruitrzerstörendetruiĝizerfallen, zugrunde gehen
naskitrgebärennaskiĝigeboren werden

Intransitive Wurzeln: -ig- fügt ein Objekt hinzu

Setze -ig- an, um zu sagen, dass jemand oder etwas die Handlung bewirkt. Das alte Subjekt wird zum Objekt: La infano dormas. → Ŝi dormigas la infanon. – „Sie bringt das Kind zum Schlafen.“ Jedes -ig--Verb nimmt ein Objekt (PMEG).

VerbReVoBedeutungMit -ig-Bedeutung
sidintrsitzensidigi(jemanden) setzen
starintrstehenstarigiaufstellen, errichten
mortintrsterbenmortigitöten
brulintrbrennenbruligi(etwas) verbrennen, in Brand setzen
daŭrintrdauerndaŭrigi(etwas) fortsetzen
restintrbleibenrestigi(etwas) zurücklassen
vivintrlebenvivigizum Leben erwecken
falintrfallenfaligizu Fall bringen, fällen
dormintrschlafendormigieinschläfern, zum Schlafen bringen
kreskintrwachsenkreskigi(eine Pflanze) ziehen, anbauen
bolintrkochen, siedenboligi(eine Flüssigkeit) zum Kochen bringen
okazintrgeschehenokazigiveranstalten, abhalten
ĉesintraufhörenĉesigi(etwas) beenden, anhalten

Das Deutsche kennt einige solche Paare, nur eben als Einzelfälle: „sitzen – setzen“, „stehen – stellen“ und „fallen – fällen“ sind sidi – sidigi, stari – starigi und fali – faligi. Im Esperanto ist es dagegen ein regelmäßiges Verfahren, das bei jedem passenden Verb funktioniert.

Wurzeln, die schon ein Objekt nehmen, können ebenfalls -ig- bekommen und bedeuten dann „jemanden dazu bringen“: kompreni – „verstehen“ → komprenigi – „begreiflich machen“; manĝi – „essen“ → manĝigi – „füttern“; scii – „wissen“ → sciigi – „benachrichtigen“. Als Objekt steht entweder die Person oder die Sache, nie beides: Mi sciigis lin pri la afero. – „Ich habe ihn über die Sache informiert.“

Sidi, sidiĝi, sidigi: drei Verben aus einer Wurzel

Bei einer intransitiven Wurzel können beide Suffixe ansetzen.

VerbBedeutungBeispiel
sidisitzenLa infano sidas. – „Das Kind sitzt.“
sidiĝisich hinsetzenLa infano sidiĝis. – „Das Kind setzte sich.“
sidigijemanden setzenŜi sidigis la infanon. – „Sie setzte das Kind hin.“

Nach einer intransitiven Wurzel markiert -iĝ- den Beginn der Handlung, fast wie das Präfix ek- (siehe Präfixe): sidiĝi ≈ eksidi. Sidiĝi nennt die Bewegung in den Sitz hinein, sidi die Haltung: Bonvolu sidiĝi. – „Bitte setz dich.“ Auch das Deutsche kennt diese Dreiheit („sitzen – sich setzen – setzen“), und sie gilt für weitere Verben: kuŝi – kuŝiĝi – kuŝigi („liegen – sich legen – legen“) und stari – stariĝi – starigi („stehen – sich hinstellen – hinstellen“).

Adjektiv- und Substantivwurzeln: beide Suffixe

Bei einem Adjektiv bedeutet -ig- „dazu machen“ und -iĝ- „dazu werden“: pura – „sauber“ → purigi – „säubern“, puriĝi – „sauber werden“. Substantive folgen demselben Muster; die Logik steht unter Wortbildung.

WurzelMit -ig-Mit -iĝ-
pura – sauberpurigi – säubernpuriĝi – sauber werden
ruĝa – rotruĝigi – rötenruĝiĝi – rot werden, erröten
granda – großgrandigi – vergrößerngrandiĝi – größer werden
seka – trockensekigi – trocknensekiĝi – austrocknen
laca – müdelacigi – ermüdenlaciĝi – müde werden
kolero – Zornkolerigi – erzürnenkoleriĝi – wütend werden
paco – Friedenpacigi – befriedenpaciĝi – Frieden schließen
edzo – Ehemannedzigi – (als Ehemann) verheiratenedziĝi – heiraten (von einem Mann)
edzino – Ehefrauedzinigi – (als Ehefrau) verheiratenedziniĝi – heiraten (von einer Frau)

Für ein Paar nimm geedziĝi: Ili geedziĝis en Majo. – „Sie haben im Mai geheiratet.“ Bei amiko – „Freund“ ist amikiĝi das nützliche Verb: Mi amikiĝis kun ŝi. – „Ich habe mich mit ihr angefreundet.“

Typische Fehler Deutschsprachiger

Der übliche Fehler ist, ein transitives Verb ohne Objekt zu benutzen. Das Deutsche verleitet dazu, weil „beginnen“, „öffnen“ und „schließen“ dort auch ohne Objekt stehen („Der Film beginnt um acht“). Wenn es kein Objekt gibt und die Sache einfach geschieht, brauchst du wahrscheinlich -iĝ-.

FalschRichtigWarum
La filmo komencas je la oka.La filmo komenciĝas je la oka.Kein Objekt: Der Film beginnt von selbst.
La leciono finis.La leciono finiĝis.Fini braucht ein Objekt: Ŝi finis la lecionon. Wie „enden – beenden“: finiĝi – fini.
La pordo malfermas.La pordo malfermiĝas.Kein Objekt, also -iĝ-. Dem deutschen „öffnet sich“ entspricht -iĝ-.
La vetero ŝanĝis.La vetero ŝanĝiĝis.Ŝanĝi braucht ein Objekt: Mi ŝanĝis mian opinion. Auch im Deutschen heißt es „Das Wetter hat sich geändert“.
Mi vekis je la sesa.Mi vekiĝis je la sesa.Veki heißt, einen anderen zu wecken; „aufwachen“ ist vekiĝi.
Li mortis la serpenton.Li mortigis la serpenton.Morti („sterben“) nimmt nie ein Objekt; „töten“ ist mortigi.
La libro vendas bone.La libro vendiĝas bone.Das Buch ist nicht der Verkäufer; wie im Deutschen („Das Buch verkauft sich gut“) steht hier -iĝ-.

Das deutsche „sich“ ist ein guter Wegweiser, aber keine wörtliche Übersetzung: Sin sagst du nur, wenn jemand wirklich sich selbst zum Objekt hat (Li lavas sin „Er wäscht sich“). La pordo malfermas sin würde heißen, dass die Tür sich wie ein Handelnder selbst öffnet; „Die Tür öffnet sich“ ist La pordo malfermiĝas.

Komenci mit Infinitiv ist richtig, weil der Infinitiv das Objekt ist: Komencis pluvi. – „Es begann zu regnen.“

Esti fermita oder fermiĝi?

Beide können eine geschlossene Tür beschreiben, sagen aber Verschiedenes.

FormSchwerpunktBeispiel
Aktivder HandelndeLa gardisto fermis la pordon. – „Der Wächter schloss die Tür.“
Passiv: esti + -itadie Sache; ein Handelnder existiert, genannt oder nichtLa pordo estas fermita. – „Die Tür ist geschlossen.“
-iĝ-die eigene Veränderung der SacheLa pordo fermiĝis. – „Die Tür schloss sich.“

Hinter einem Passiv steht immer ein Handelnder, der mit de ergänzt werden kann: La pordo estis fermita de la gardisto. Ein -iĝ--Verb sagt, dass die Handlung mehr oder weniger von selbst geschieht, deshalb wird ein Handelnder normalerweise nicht genannt. Dem deutschen Zustandspassiv „Die Tür ist geschlossen“ entspricht estas fermita, dem „Die Tür schloss sich“ fermiĝis. Das PMEG stellt Li estis naskita en Januaro, das den Geburtsakt betont, Li naskiĝis en Januaro gegenüber, das den Neugeborenen betont. Ebenso bedeutet Li estas nomata Petro, dass man ihn so nennt, während Li nomiĝas Petro einfach seinen Namen angibt. Mehr zum Passiv unter Partizipien.

Wann kein Suffix nötig ist

  • Ein Verb, das schon eine Veränderung bedeutet, braucht meist kein -iĝ-. Morti bedeutet schon „vom Leben zum Tod übergehen“; mortiĝi ist selten und deutet einen Unfall an (PMEG).
  • Das PMEG bevorzugt ĉesi oder ekĉesi gegenüber ĉesiĝi, ektimi gegenüber timiĝi und ekscii gegenüber sciiĝi.
  • Um zu sagen, dass jemand etwas geschehen lässt, das schon ein -iĝ--Verb ist, nimm igi mit Infinitiv, statt Suffixe zu stapeln: La bruo igis ŝin vekiĝi. – „Der Lärm ließ sie aufwachen.“ Igi – „veranlassen“ und iĝi – „werden“ sind auch eigenständige Verben.

Hinweise für Deutschsprachige

  • Dativverben. Einige deutsche Verben verlangen den Dativ, ihre Esperanto-Entsprechungen sind transitiv: „folgen“ und „gratulieren“ heißen sekvi und gratuli (ReVo: tr), also Mi sekvas lin und Mi gratulas vin. Bei danki gehen beide Wege: Mi dankas vin oder Mi dankas al vi (ReVo).
  • Zwei Buchstaben, zwei Bedeutungen. -ig- spricht man mit hartem g, -iĝ- mit „dsch“: purigi pu-RI-gi „säubern“, puriĝi pu-RI-dschi „sauber werden“. Wer das ĝ wie ein „sch“ oder „g“ liest, verändert das Wort.

Beispiele in Sätzen

  • Mi fermis la pordon. – „Ich habe die Tür geschlossen.“
  • La pordo fermiĝis pro la vento. – „Die Tür hat sich wegen des Windes geschlossen.“
  • La orkestro komencis la koncerton akurate. – „Das Orchester hat das Konzert pünktlich begonnen.“
  • La koncerto komenciĝis je la oka. – „Das Konzert hat um acht Uhr begonnen.“
  • La infano sidiĝis apud la fenestro. – „Das Kind hat sich ans Fenster gesetzt.“
  • La patro sidigis la bebon sur la seĝon. – „Der Vater hat das Baby auf den Stuhl gesetzt.“
  • La akvo jam bolas. – „Das Wasser kocht schon.“
  • Mi boligas akvon por teo. – „Ich koche Wasser für Tee.“
  • Liaj vortoj ĝojigis ĉiujn. – „Seine Worte haben alle erfreut.“
  • La prezoj altiĝis dum la jaro. – „Die Preise sind im Laufe des Jahres gestiegen.“

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen -ig- und -iĝ-?

-Ig- bedeutet „veranlassen“: Es fügt einen Handelnden und ein Objekt hinzu (bruli → bruligi). -Iĝ- bedeutet „werden“ oder „von selbst geschehen“: Es nimmt nie ein Objekt (fermi → fermiĝi). Alle Suffixe stehen auf der Seite Suffixe.

Ist komenci im Esperanto transitiv?

Ja, ReVo markiert es mit tr. Es nimmt das Begonnene (Mi komencis la laboron) oder einen Infinitiv (Li komencis paroli). Für ein Ereignis, das von selbst beginnt, nimm komenciĝi: La koncerto komenciĝis.

Wie sagt man „Das Geschäft öffnet um neun“?

La butiko malfermiĝas je la naŭa. Wenn eine Person das Öffnen übernimmt, nimm das einfache Verb: La vendisto malfermas la butikon je la naŭa.

Woran erkenne ich, ob ein Esperanto-Verb transitiv ist?

Schau in ReVo, das Verben mit tr, ntr oder x (beides) markiert, oder frage nach dem Verb „wen?“ oder „was?“. Verben mit -ig- sind immer transitiv, Verben mit -iĝ- nie.

Wie tippe ich -iĝ- ohne Sonderzeichen?

Im x-System schreibst du igx: komencigxi wird zu komenciĝi.

Heißt „sich hinsetzen“ sidi oder sidiĝi?

Sidiĝi nennt den Vorgang des Hinsetzens: Ŝi sidiĝis apud mi. – „Sie setzte sich neben mich.“ Sidi ist der Zustand des Sitzens: Mi sidas. – „Ich sitze.“ Sidigi heißt, einen anderen zu setzen.

Quellen

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