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Grammatik

Der Artikel la im Esperanto: Gebrauch und Weglassen

Ein Wort, das sich nie ändert, und ein Gebrauch, der dem deutschen „der, die, das“ erstaunlich nahekommt – mit ein paar Unterschieden.

Aktualisiert: 4 Min. Lesezeit

Esperanto hat einen einzigen Artikel, la, im Sinn von „der, die, das“. Er ändert sich nie nach Geschlecht, Zahl oder Fall: la domo – „das Haus“, la domoj – „die Häuser“, la domojn – „die Häuser“ (als Objekt). Einen unbestimmten Artikel gibt es nicht: domo heißt „ein Haus“ oder einfach „Haus“.

Regel 1 der 16 Regeln legt das fest und erlaubt Anfängern sogar, la zunächst wegzulassen. In der Praxis benutzt ihn jeder fließende Sprecher, und sein Gebrauch entspricht weitgehend dem des deutschen bestimmten Artikels.

Wann la steht

Setze la, wenn der Hörer weiß, welche Sache du meinst. Das PMEG fasst die Bedeutung so zusammen: „Du weißt, welches ich meine.“

SituationBeispielÜbersetzung
Schon erwähntMi vidis hundon. La hundo estis nigra.„Ich habe einen Hund gesehen. Der Hund war schwarz.“
Aus der Situation klarMi luis aŭton, sed la radio ne funkciis.„Ich habe ein Auto gemietet, aber das Radio funktionierte nicht.“
Im Satz bestimmtla ĉapelo de mia patro„der Hut meines Vaters“
Nur eines vorhandenla suno, la ĉielo„die Sonne, der Himmel“
Superlativela plej alta monto„der höchste Berg“
Sprachnamen auf -ala angla, la germana„Englisch, Deutsch“
Namen aus gewöhnlichen Wörternla Nigra Maro, la Alpoj„das Schwarze Meer, die Alpen“

Sprachnamen wie la germana sind Kurzformen von la germana lingvo – „die deutsche Sprache“. Darum brauchen sie la, anders als deutsch „Deutsch“ ohne Artikel: Mi parolas la germanan. – „Ich spreche Deutsch.“

Wann la nicht steht

  • Etwas Neues oder Unbekanntes. Hundo bojas. – „Ein Hund bellt.“
  • Mit anderen Bestimmungswörtern. Mia, tiu, ĉiu und ähnliche Wörter machen das Substantiv schon bestimmt: mia libro – „mein Buch“, tiu domo – „jenes Haus“. Nie la mia libro oder la tiu domo. Das ist wie im Deutschen, wo auch „mein Buch“ ohne Artikel steht.
  • Die meisten Eigennamen. Petro, Londono, Japanio – und Esperanto selbst: Mi lernas Esperanton. – „Ich lerne Esperanto.“
  • Dinge im Allgemeinen. Mi trinkas kafon. – „Ich trinke Kaffee.“ Vergleiche La kafo estas varma. – „Der Kaffee ist warm“ (dieser bestimmte Kaffee).

Ein Possessivpronomen mit la kann allein stehen und bedeutet „meins“, „deins“ und so weiter: Via aŭto estas ruĝa, la mia estas blua. – „Dein Auto ist rot, meins ist blau.“ Siehe Pronomen.

Von einer ganzen Gattung sprechen

Um über eine Art oder einen Typ zu sprechen, hat Esperanto drei Möglichkeiten:

  • Ĉevalo estas besto. – „Ein Pferd ist ein Tier.“
  • Ĉevaloj estas bestoj. – „Pferde sind Tiere.“
  • La ĉevalo estas utila besto. – „Das Pferd ist ein nützliches Tier.“

Nach dem PMEG ist die Form ohne la die häufigste, während la die ganze Art wie ein bekanntes Einzelwesen darstellt und förmlicher klingt. Das Deutsche setzt bei allgemeinen Aussagen oft den Artikel („Das Leben ist schön“, „Die Liebe ist stark“); im Esperanto fehlt er dort meist: Vivo estas bela. – „Das Leben ist schön.“

Besondere Verwendungen

  • Körperteile und Kleidung. Ist der Besitzer klar, ersetzt la das Possessivpronomen, wie im Deutschen: Li levis la manon. – „Er hob die Hand.“
  • „Alle“ einer bekannten Gruppe. La gastoj eksidis. – „Die Gäste setzten sich“ (alle).
  • Herrschernamen. La steht nach dem Namen: Karolo la Granda – „Karl der Große“.

Die Kurzform l'

Regel 16 erlaubt l' statt la. Das PMEG empfiehlt es nur nach einer Präposition, die auf einen Vokal endet, wie de, pri, tra oder je: de l' mondo – „von der Welt“, pri l' amo – „über die Liebe“.

Man schreibt es als eigenes Wort, spricht es aber mit der Präposition zu einer Einheit zusammen. Das erinnert an deutsche Verschmelzungen wie „zum“ oder „vom“, ist aber viel seltener: Außerhalb von Gedichten und Liedern kommt l' kaum vor, in der gesprochenen Sprache fast nie.

La im Vergleich mit dem deutschen Artikel

PunktDeutschEsperanto
Bestimmter Artikelder, die, das, den, dem, desnur la
Unbestimmter Artikelein, eine, einen …keiner: libro – „ein Buch“
Verschmelzung mit Präpositionim, zum, vom, insgetrennt: en la, al la, de la
Sprachnamen„Deutsch“la germana
Ländernamen„die Schweiz“, „die USA“, „die Niederlande“ohne Artikel: Svislando, Usono, Nederlando
Körperteile„die Hand“la mano
Änderung nach Fall oder Zahljanein: la domojn

Nicht jedes deutsche „ein“ ist unu: Der unbestimmte Artikel wird gar nicht übersetzt, Mi havas aŭton heißt „Ich habe ein Auto“. Unu zählt: Mi havas unu aŭton – „Ich habe ein (einziges) Auto“. Willst du „irgendein“ oder „ein gewisser“ sagen, nimm iu: Iu viro telefonis. – „Irgendein Mann hat angerufen.“ Siehe Tabellwörter.

Beispiele in Sätzen

  • La suno brilas. – „Die Sonne scheint.“
  • Mi aĉetis libron. La libro estas tre interesa. – „Ich habe ein Buch gekauft. Das Buch ist sehr interessant.“
  • Ĉu vi vidis la ŝlosilojn? – „Hast du die Schlüssel gesehen?“
  • Hundoj estas fidelaj bestoj. – „Hunde sind treue Tiere.“
  • La hundo estas fidela besto. – „Der Hund ist ein treues Tier.“
  • Mi ŝatas muzikon. – „Ich mag Musik.“
  • Esperanto estas facila lingvo. – „Esperanto ist eine leichte Sprache.“
  • La esperanta lingvo naskiĝis en 1887. – „Die Esperanto-Sprache ist 1887 entstanden.“
  • Mi loĝas en la ĉefurbo de Pollando. – „Ich wohne in der Hauptstadt Polens.“

Häufige Fragen

Gibt es im Esperanto ein Wort für „ein“ oder „eine“?

Nein. Ein Substantiv ohne la ist unbestimmt: libro – „ein Buch“. Um „eines“ oder „ein gewisses“ zu betonen, nimm unu oder iu.

Ändert sich la im Plural oder im Akkusativ?

Nein. La nimmt nie -j oder -n an: la grandajn domojn – „die großen Häuser“ (als Objekt). Nur das Substantiv und seine Adjektive ändern sich, wie die Seite zu Substantiven und Adjektiven erklärt.

Was bedeutet l' im Esperanto?

Es ist ein verkürztes la, erlaubt durch Regel 16. Es kommt vor allem in Gedichten und Liedern vor, nach Präpositionen wie de oder pri: de l' mondo – „von der Welt“.

Sagt man „la Esperanto“?

Nein. Esperanto ist ein Eigenname: Mi parolas Esperanton. – „Ich spreche Esperanto.“ Sprachnamen auf -a bekommen dagegen den Artikel: la germana – „Deutsch“.

Quellen

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