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Grammatik

Esperanto Pronomen: mi, vi, li, ŝi, si und mehr

Neun kurze Wörter und zwei Endungen ergeben alle Personal- und Possessivpronomen der Sprache.

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit

Die Personalpronomen des Esperanto sind mi – „ich“, vi – „du, ihr, Sie“, li – „er“, ŝi – „sie“, ĝi – „es“, ni – „wir“, ili – „sie“ (Plural), oni – „man“ und das Reflexivpronomen si. Mit -n bildest du das Objekt (min – „mich“), mit -a den Besitz (mia – „mein“). Weitere Formen gibt es nicht.

Statt der vier deutschen Formen („ich, mich, mir, meiner“) hat Esperanto zwei: mi, min. Für „mir“ steht al mi, für „meiner“ de mi.

Diese neun Pronomen stehen in Regel 5 der 16 Regeln. Ein zehntes, ci, kommt nur im Wörterbuch des Fundamento vor und wird fast nie benutzt.

Alle Personalpronomen

mi + -n = min

PronomenDeutschObjekt (-n)Possessiv (-a)
miichmin – michmia – mein, meins
vidu, ihr, Sievin – dich, euch, Sievia – dein, euer, Ihr
lierlin – ihnlia – sein
ŝisieŝin – sieŝia – ihr
ĝiesĝin – esĝia – sein
niwirnin – unsnia – unser
ilisie (Plural)ilin – sieilia – ihr
onimanonin – einen (selten)onia – jemandes (allgemein; selten)
si(reflexiv)sin – sichsia – sein eigenes, ihr eigenes
  • vi ist Singular und Plural, vertraut und höflich zugleich. Ein Wort deckt „du“, „ihr“ und das höfliche „Sie“ ab. Das Fundamento übersetzt vi ins Deutsche mit „du, Ihr“. Die Frage, ob man duzt oder siezt, entfällt.
  • ĝi gilt für Dinge, Tiere und kleine Babys. Anders als im Deutschen richtet es sich nicht nach dem grammatischen Geschlecht: „der Tisch – er“, „die Lampe – sie“, „das Buch – es“, aber la tablo – ĝi, la lampo – ĝi, la libro – ĝi.
  • ili gilt für jede Gruppe von Personen oder Dingen, ohne Geschlecht. Es entspricht dem deutschen „sie“ (Plural), nicht dem höflichen „Sie“ (das ist vi).
  • oni bedeutet Menschen im Allgemeinen und entspricht fast genau dem deutschen „man“: Oni diras, ke… – „Man sagt, dass …“, Oni parolas Esperanton tie. – „Dort spricht man Esperanto.“ Onin (wie deutsch „einen“) und onia sind regelmäßig gebildet, werden aber selten gebraucht.

Die Objektform folgt den Regeln des Akkusativs: Ŝi amas lin. – „Sie liebt ihn.“ Ĉu vi vidis min? – „Hast du mich gesehen?“

Possessivpronomen gleichen sich wie Adjektive an

Possessivpronomen sind Adjektive, sie übernehmen also -j und -n von ihrem Substantiv:

SingularPlural
Subjektmia libromiaj libroj
Objektmian libronmiajn librojn

Im Deutschen ändert sich das Possessivpronomen nach Genus, Zahl und Fall („mein, meine, meinem, meiner, meines“); im Esperanto gibt es nur diese vier Formen.

Ein Possessivpronomen macht das Substantiv schon bestimmt und wird deshalb vor einem Substantiv nie mit la verbunden: mia libro, nicht la mia libro. Allein bedeutet la mia „meins“: Tiu ĉambro estas la mia. – „Dieses Zimmer ist meins.“ Siehe Artikel.

Si, sin, sia: das Reflexivpronomen

Si verweist auf das Subjekt seines eigenen Satzes zurück, und nur, wenn dieses Subjekt die dritte Person ist: li, ŝi, ĝi, ili, oni oder ein Substantiv.

SatzBedeutung
Petro lavas sin.„Peter wäscht sich.“
Petro lavas lin.„Peter wäscht ihn“ (einen anderen Mann).
Ŝi vizitis sian patrinon.„Sie besuchte ihre (eigene) Mutter.“
Ŝi vizitis ŝian patrinon.„Sie besuchte ihre Mutter“ (die einer anderen Frau).

Zwei Regeln verhindern die meisten Fehler:

  1. Nur dritte Person. Für mi, vi, ni gelten ihre eigenen Formen: Mi lavas min. – „Ich wasche mich.“ Ni amas nian urbon. – „Wir lieben unsere Stadt.“ Im Deutschen ist es genauso: „sich“ gibt es nur in der dritten Person, sonst „mich, dich, uns, euch“.
  2. Nie im Subjekt. Anna kaj ŝia fratino venis. – „Anna und ihre Schwester kamen.“ Sia wäre hier falsch, weil die Wortgruppe selbst das Subjekt ist. Mit kun wird es richtig: Anna kun sia fratino venis.

Si und sia gegenüber dem Deutschen

Das deutsche „sein“ und „ihr“ lässt offen, ob das Eigene gemeint ist: „Peter besucht seine Mutter“ kann Peters eigene Mutter meinen oder die eines anderen. Das Esperanto trennt beides: Petro vizitas sian patrinon (Peters eigene Mutter), aber Petro vizitas lian patrinon (die Mutter eines anderen Mannes).

Viele deutsche Verben mit „sich“ sind im Esperanto nicht reflexiv:

DeutschEsperanto
Ich freue mich.Mi ĝojas.
Ich erinnere mich an dich.Mi memoras vin.
Ich irre mich.Mi eraras.
Ich fürchte mich.Mi timas.
Wir treffen uns.Ni renkontiĝas.
Er setzt sich.Li sidiĝas.
Ich wasche mich.Mi lavas min.

Nur das letzte Verb braucht auch im Esperanto ein Reflexivpronomen. Die Endung -iĝ- (siehe Verben) übernimmt in vielen Fällen die Rolle des deutschen „sich“.

Ci: das alte „du“

Das Wörterbuch des Fundamento enthält ci, ein vertrautes „du“ im Singular, die 16 Regeln erwähnen es aber nicht. Das PMEG stellt fest, dass ci nie wirklich gebraucht wurde und viele Sprecher es nicht verstehen würden. Im normalen Esperanto steht immer vi.

Ri und geschlechtsneutrale Pronomen

Esperanto hat kein offizielles Pronomen für eine einzelne Person unbekannten oder unbestimmten Geschlechts. Traditionell nahm man li, was zunehmend als sexistisch kritisiert wird. Zamenhof erlaubte auch ĝi für Personen unbekannten Geschlechts, doch das PMEG warnt, dass es bei Erwachsenen entmenschlichend wirken kann.

Das inoffizielle Pronomen ri (rin, ria) bedeutet „er oder sie“ für eine Person, unabhängig vom Geschlecht. Das PMEG führt es als inoffiziell und stellt fest, dass es sich recht weit verbreitet hat, besonders unter jungen Sprechern. Laut der englischen Wikipedia war es 2019 der beliebteste geschlechtsneutrale Vorschlag; die Akademio de Esperanto hat es nicht übernommen.

  • Mia amiko diris, ke ri venos. – „Eine befreundete Person sagte, dass sie kommt.“

Auch im Deutschen sucht man Wege zu geschlechtsneutralem Ausdruck. Im Esperanto betrifft das Problem vor allem die Pronomen: Wörter wie amiko oder instruisto sagen an sich nichts über das Geschlecht, und erst -in- macht sie ausdrücklich weiblich.

Pronomen nach Präpositionen

Nach einer Präposition bleiben Pronomen in der Grundform: kun mi – „mit mir“, por vi – „für dich“, al ŝi – „zu ihr“. Wo das Deutsche zwischen „mir“ und „mich“ wählt, steht im Esperanto nach der Präposition immer mi. Der Empfänger einer Handlung bekommt al: Donu al mi la libron. – „Gib mir das Buch.“ Siehe Präpositionen.

Beispiele in Sätzen

  • Mi amas vin. – „Ich liebe dich.“
  • Ni parolis pri vi hieraŭ. – „Wir haben gestern über dich gesprochen.“
  • Ŝi donis al li sian libron. – „Sie hat ihm ihr eigenes Buch gegeben.“
  • Ŝi donis al li lian libron. – „Sie hat ihm sein Buch gegeben.“
  • Ili vizitis siajn gepatrojn. – „Sie haben ihre eigenen Eltern besucht.“
  • Li lavas sin ĉiumatene. – „Er wäscht sich jeden Morgen.“
  • La hundo ludas kun sia pilko. – „Der Hund spielt mit seinem Ball.“
  • Ĉu tiu ombrelo estas via aŭ mia? – „Ist dieser Regenschirm deiner oder meiner?“
  • Oni diras, ke la vintro estos malvarma. – „Man sagt, dass der Winter kalt wird.“

Häufige Fragen

Wie sagt man auf Esperanto höflich „Sie“?

Mit vi, für eine Person oder viele, förmlich oder vertraut. Für zusätzliche Höflichkeit ergänzt du eine Anrede wie sinjoro – „Herr“ oder sinjorino – „Frau“.

Was ist der Unterschied zwischen sia und lia?

Sia verweist auf das Subjekt des Satzes zurück: Li legas sian libron – „Er liest sein (eigenes) Buch“. Lia meint jemand anderen: Li legas lian libron – „Er liest sein (eines anderen Mannes) Buch“.

Gibt es im Esperanto ein geschlechtsneutrales Pronomen?

Offiziell nicht. Das inoffizielle ri ist die am weitesten verbreitete Lösung; li und ĝi wurden traditionell für Personen unbekannten Geschlechts benutzt.

Wird ci im Esperanto noch benutzt?

Fast nie. Es steht nur im Wörterbuch des Fundamento, und das PMEG empfiehlt, immer vi zu benutzen.

Wie sagt man „meins“ oder „deins“?

Nimm das Possessivpronomen mit la: la mia – „meins“, la via – „deins“. Es gleicht sich wie ein Adjektiv an: Viaj ŝuoj estas novaj, la miaj estas malnovaj. – „Deine Schuhe sind neu, meine sind alt.“

Quellen

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