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Über Esperanto

Esperanto und Ido: Unterschiede, Geschichte, Sprecher

Ido ist eine Reform des Esperanto von 1907 – dasselbe System aus Wurzeln und Endungen mit einigen geänderten Regeln und weit weniger Sprechern.

Aktualisiert: 7 Min. Lesezeit

Ido ist eine Plansprache, die 1907 in Paris als „reformiertes Esperanto“ vorgestellt wurde. Sie übernimmt die Wurzeln und festen Endungen des Esperanto, verzichtet aber auf die Buchstaben mit Akzenten, bildet den Plural mit -i, gleicht Adjektive nicht an das Substantiv an und setzt den Akkusativ -n nur bei ungewöhnlicher Wortstellung. Ihr Name ist das Esperanto-Wort ido – „Nachkomme“.

Ein Komitee der Delegation für die Annahme einer internationalen Hilfssprache, angetrieben vom Philosophen und Logiker Louis Couturat, nahm Esperanto im Oktober 1907 nur „mit Reformen“ an. Die meisten Esperanto-Sprecher folgten nicht. Selbst die niedrigste mittlere Schätzung für Esperanto (rund 60.000 Sprecher) ist mehr als zehnmal so hoch wie die höchste Zahl, die für Ido genannt wird (5000).

Zu Volapük, Interlingua und anderen Konkurrenten siehe Esperanto im Vergleich mit anderen Plansprachen.

Sprecherzahlen: Esperanto und Ido im Vergleich

MerkmalEsperantoIdo
Geschätzte Sprecher60.000 bis 2 Millionen (alle Schätzungen)100–200 (Blanke, 2000); 1000–2500 (deutsche Wikipedia); 1000–5000 (Ido-Stiftung)
Muttersprachler1000–2000Keine weltweite Zahl; im Register Finnlands sind 25 verzeichnet (Ende 2025)
Wikipedia-Artikel, 8. Okt. 2026389.59164.732
Aktive Wikipedia-Autoren, 8. Okt. 202635962
Große TreffenWeltkongress, Graz 2026: 1138 TeilnehmerIdo-Konferenz, Echternach 2011: 24 Teilnehmer

Keine weltweite Volkszählung erfasst die Sprecher einer der beiden Sprachen, daher sind alle Sprecherzahlen Schätzungen, und die letzte Zeile vergleicht verschiedene Jahre. „Aktive Autoren“ haben in den vorangegangenen 30 Tagen mindestens eine Bearbeitung vorgenommen.

Geschichte: das Komitee von 1907 und die Spaltung

Die Delegation gründeten im Januar 1901 Léopold Leau und Couturat, damit Gelehrte eine internationale Sprache auswählen. Bis 1907 hatte sie die Unterstützung von 310 Gesellschaften und rund 1250 Hochschullehrern. Im Mai 1907 erklärte sich die Internationale Assoziation der Akademien in Wien für nicht zuständig, daher bestimmte die Delegation ein eigenes Komitee.

Das Komitee tagte vom 15. bis 24. Oktober 1907 in Paris. Louis de Beaufront, ein führender französischer Esperantist, stellte das Esperanto vor, weil die Regeln dessen Urheber Zamenhof das verboten. Gegen Ende tauchte ein anonymer, mit „Ido“ unterzeichneter Entwurf auf, und das Komitee nahm Esperanto grundsätzlich an – mit Änderungen, die eine ständige Kommission festlegen sollte.

Beaufront gab 1908 zu, dass er „Ido“ sei. Nach der Enciklopedio de Esperanto (1934) erwies sich Beaufront als sein Hauptautor „oder wurde als solcher ausgerufen“; spätere Autoren wie Detlev Blanke sehen im Projekt vor allem Couturats Werk, mit Beaufront als öffentlichem Gesicht. Die Quellen widersprechen sich darin, wie die Arbeit verteilt war. Die deutsche Wikipedia nennt (nach Blanke) außerdem den Esperantisten Alfred Michaux als Mitautor.

Zamenhof hatte 1894 ähnliche Reformen vorgeschlagen, und seine Leser hatten sie abgelehnt; 1907 warnte er, das Komitee habe keine Befugnis. Laut der englischsprachigen Wikipedia gab die Kommission dem Esperanto-Sprachkomitee einen Monat Zeit, die Reformen anzunehmen, und brach die Beziehungen ab, als keine Antwort kam. Das Fundamento von 1905 hatte den Kern der Sprache verbindlich festgelegt (siehe Geschichte).

Nach der Enciklopedio wechselten etwa 20 % der führenden Esperantisten, aber nur 3–4 % der einfachen Esperantisten. Esperantisten bestreiten die Rechtmäßigkeit des Komitees: Von seinen 12 Mitgliedern hätten nur vier teilgenommen. Die Grammatik des Ido hält dagegen, die Abstimmung für die Annahme des Esperanto mit Änderungen sei einstimmig gewesen, und gibt denen die Schuld an der Spaltung, die ihre Versprechen vergessen hätten.

Ido nach 1907

Die Anhänger des Ido gründeten eine Akademie und starteten 1908 die Monatsschrift Progreso. Die Delegation löste sich am 31. Juli 1910 auf, nachdem sie die Union für die internationale Sprache Ido (ULI) gegründet hatte, die bis heute ihr offizielles Organ ist.

Couturat starb am 3. August 1914 bei einem Autounfall, zu Beginn des Ersten Weltkriegs. 1928 wandte sich Otto Jespersen seiner eigenen Sprache zu, dem Novial. Seit 1922 hat sich Ido kaum noch verändert.

Ido im deutschsprachigen Raum

Der bekannteste deutsche Förderer des Ido war der Chemiker Wilhelm Ostwald. Nach der deutschen Wikipedia und nach Otto Jespersen, der dem Komitee selbst angehörte, führte er 1907 den Vorsitz im Komitee der Delegation. Im Februar 1908 trat er aus der Delegation aus, enttäuscht von beiden Seiten, und warb danach bis zu seinem Lebensende für Ido als Hilfssprache der Wissenschaft. Er regte 1908 die Zeitschrift Progreso an und unterstützte die Ido-Bewegung finanziell; nach dem Ido-Autor Günter Anton und der englischen Wikipedia auch mit einem Teil seines Nobelpreisgeldes von 1909, dessen Höhe nicht gesichert ist.

Die deutsche Wikipedia nennt außerdem eine Deutsche Ido-Gesellschaft, deren offizielles Organ die Zeitschrift Ido-Saluto ist; Mitgliederzahlen nennt sie nicht. Ein deutsches Lehrbuch, Ido por Omni, erschien 1924. Die Ido-Konferenz fand 2006 in Berlin und 2008 in Neviges bei Wuppertal statt.

Wer mit Romanisch wenig anfangen kann, stolpert eher über Ido-Wörter wie kavalo „Pferd“ (Esperanto ĉevalo); Deutschsprachige kennen die Wurzel aus „Kavallerie“. Die deutsche Wikipedia weist darauf hin, dass Ido-Texte für Esperanto-Sprecher verständlich sind, wenn diese Romanisch kennen.

Die wichtigsten Unterschiede in Grammatik und Wortschatz

MerkmalEsperantoIdoBeispiel (Esperanto / Ido)
Alphabet28 Buchstaben, darunter ĉ ĝ ĥ ĵ ŝ ŭ26 Buchstaben, keine Akzente; ch, sh, quĉambro, ŝuo, kvadrato / chambro, shuo, quadrato
Plural-j wird angehängt-o wird durch -i ersetzt„Häuser“: domoj / domi
AdjektiveGleichen sich dem Substantiv anÄndern sich nie„große Hunde“: grandaj hundoj / granda hundi
Akkusativ -nKennzeichnet immer das ObjektNur wenn das Objekt sonst unklar wäre, etwa wenn es vorangestellt ist„Ich trinke Milch“: Mi trinkas lakton / Me drinkas lakto
VerbenInfinitiv -i, Befehl -uInfinitiv -ar, Befehl -ez„gehen“, „geh!“: iri, iru! / irar, irez!
Pronomenmi; li, ŝi, ĝime; il(u), el(u), ol(u), dazu lu für beide Geschlechter„Ich bin“: Mi estas / Me esas
GeschlechtViele Personenwörter sind von Haus aus männlich; -in- macht sie weiblichWurzeln neutral; -ul- männlich, -in- weiblich„Bruder“, „Schwester“: frato, fratino / fratulo, fratino
WortbildungDie Wortart einer Wurzel muss man lernenUmkehrbar, mit zusätzlichen Suffixen„krönen“: kroni / kronizar
FragewörterTabelle: kie, tie, kiuLateinisch geprägt: ube, ibe, qua„wo“: kie / ube
WortschatzRomanisch, germanisch, slawischAn sechs Sprachen geprüft, stärker romanisch„und“, „Schule“: kaj, lernejo / e(d), skolo

Zur Esperanto-Seite siehe den Akkusativ und Substantive und Adjektive. Im Ido bedeutet frato allein „Geschwisterteil“.

Die Sprachen sind einander nah: Die deutsche Wikipedia, die sich auf Detlev Blanke stützt, beziffert den Unterschied in Grammatik und Wortschatz auf höchstens 15 %. Es gibt falsche Freunde: grava heißt im Esperanto „wichtig“, im Ido aber „schwer“, und legi heißt „lesen“, im Ido dagegen „Gesetze“. Die Esperanto-Wikipedia (Vikipedio) führt das Suffix -end-, das im Esperanto seit 1953 offiziell ist, auf das Ido zurück.

Das Vaterunser in beiden Sprachen

Der Anfang des Vaterunsers: Zamenhofs Fassung aus dem ersten Esperanto-Lehrbuch (1887) und Beaufronts Ido-Übersetzung, gedruckt 1924. Zamenhof starb 1917, Beaufront 1935.

Esperanto:

Patro nia, kiu estas en la ĉielo, sankta estu Via nomo, venu reĝeco Via, estu volo Via, kiel en la ĉielo, tiel ankaŭ sur la tero.

Ido:

Patro nia qua esas en la cieli, Vua nomo santigesez; Vua regno arivez; Vua volo esez obediata, quale en la cielo, anke (tale) sur la tero.

Deutsch: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Vergleiche kiu estas und qua esas „der du bist“, kiel und quale „wie“, ankaŭ und anke „auch“. Der Befehl heißt im Esperanto estu, im Ido esez. Mehr in unseren Textbeispielen.

Esperanto oder Ido lernen?

Lerne Esperanto, wenn du Gesprächspartner suchst, und denke über Ido nach, wenn dir seine Regeln gefallen.

Ido passt zu Lernenden, die Akzentbuchstaben und Kasusendungen nicht mögen oder die Romanische Sprachen gut kennen. Es gibt Übersetzungen des Kleinen Prinzen, der Psalmen und des Lukasevangeliums sowie Zeitschriften wie Progreso, doch die Gemeinschaft ist klein, und so gibt es nur wenige Gesprächspartner, Kurse und Bücher.

Esperanto hat dieselbe Grundgrammatik, dazu Muttersprachler, jährliche Kongresse, eine große Wikipedia, einen kostenlosen Kurs und eine lange Literatur. Seine Akzentbuchstaben und der Akkusativ sind die üblichen Einwände (Kritik am Esperanto). Die Sprachen stehen einander nah, daher hilft das Lernen der einen auch beim Lesen der anderen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Esperanto und Ido?

Ido ist 1907 reformiertes Esperanto. Es hat keine Buchstaben mit Akzenten, den Plural auf -i, unveränderliche Adjektive, einen Akkusativ nur bei Bedarf, geschlechtsneutrale Wurzeln und mehr romanischen Wortschatz.

Ist Ido leichter als Esperanto?

Ido schafft einige Endungen und die Akzentbuchstaben ab, was vielen Lernenden gefällt. Dafür kommen zusätzliche Suffixe, weniger regelmäßige Fragewörter und Buchstabenverbindungen hinzu. Einen veröffentlichten Versuch, der die Lernzeiten vergleicht, haben wir nicht gefunden; „leichter“ hängt also von deinen Sprachen und Zielen ab.

Wie viele Menschen sprechen Ido?

Veröffentlichte Schätzungen reichen von 100–200 (2000) bis 1000–5000 (Ido-Stiftung). Gezählt hat niemand; im Register Finnlands sind 25 Menschen mit Ido als Muttersprache verzeichnet. Die Schätzungen für Esperanto beginnen bei rund 60.000.

Warum hat sich Ido vom Esperanto abgespalten?

Couturat und Beaufront wollten beseitigen, was sie für Mängel des Esperanto hielten, und ein Komitee der Delegation unterstützte im Oktober 1907 ihren Entwurf. Die meisten Esperantisten lehnten es ab, eine Sprache zu ändern, die das Fundamento von 1905 schon festgelegt hatte.

Wer war Wilhelm Ostwald, und was hatte er mit Ido zu tun?

Ostwald war ein deutscher Chemiker und Nobelpreisträger (1909). Nach der deutschen Wikipedia leitete er 1907 das Komitee der Delegation und setzte sich nach seinem Austritt im Februar 1908 bis zu seinem Lebensende für Ido ein. Er regte die Zeitschrift Progreso an.

Wird Ido noch benutzt?

In kleinem Maßstab. Die ULI veranstaltet jährliche Kongresse, Progreso erscheint, und die Ido-Wikipedia hat 64.732 Artikel. Der tägliche Gebrauch ist weit geringer als beim Esperanto.

Quellen

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