Grammatik
Esperanto Interjektionen: ho, ve, hura, nu und Lautwörter
Nur neun Interjektionen sind offiziell; der Rest, von aha bis tik tak, sind freie Wörter, die jeder prägen darf.
Esperanto hat neun offizielle Interjektionen: adiaŭ, bis, fi, ha, he, ho, hura, nu und ve. Eine Interjektion ist ein kurzes Wort, das ein Gefühl ausdrückt oder Aufmerksamkeit erregt. Sie steht außerhalb der üblichen Grammatik: Sie hat keine Endung, bekommt keinen Fall und verbindet sich nicht mit den anderen Wörtern eines Satzes, bildet aber oft allein eine vollständige Äußerung (PMEG). Alle anderen – aha, hej, oj, hm sowie die Tier- und Geräuschwörter – sind inoffiziell, und das PMEG sagt, dass Sprecher solche Wörter frei bilden dürfen.
Grüße wie Saluton! und Dankon! sehen ähnlich aus, sind aber keine Interjektionen; es sind Substantive im Akkusativ, wie weiter unten erklärt.
Die neun offiziellen Interjektionen
Sechs standen schon im Fundamento von 1905 (im Universala Vortaro oder im Ekzercaro). Drei kamen später durch das Sprachkomitee und die Akademie von Esperanto hinzu: he (1909), hura (1921) und bis (1929).
| Wort | Ausdruck | Status | Beispiel |
|---|---|---|---|
| adiaŭ | Abschied, besonders für eine lange Trennung („lebe wohl“) | Fundamento 1905 | Mi diris adiaŭ al la malnova domo. – „Ich sagte dem alten Haus Lebewohl.“ |
| bis | „Zugabe!“: Aufforderung, eine Darbietung zu wiederholen | 4. Offizielle Ergänzung, 1929 | "Bis!" kriis la publiko. – „‚Zugabe!‘, rief das Publikum.“ |
| fi | Verachtung, Ekel („pfui“) | Fundamento 1905 | Fi, kiel abomene! – „Pfui, wie abscheulich!“ |
| ha | Staunen, Überraschung („ah“) | Fundamento 1905 | Ha, kiel bele! – „Ah, wie schön!“ |
| he | Aufmerksamkeit erregen („he, hallo“) | 1. Offizielle Ergänzung, 1909 | He, Petro, atendu min! – „He, Peter, warte auf mich!“ |
| ho | jedes lebhafte Gefühl („oh“); auch vor einer Anrede | Fundamento 1905 | Ho, Dio! kion vi faras! – „Oh Gott, was tust du da!“ |
| hura | Freude, Zustimmung, Begeisterung („hurra“) | 3. Offizielle Ergänzung, 1921 | Hura! Ni gajnis! – „Hurra! Wir haben gewonnen!“ |
| nu | „na, los“: Etwas Bemerkenswertes folgt | Fundamento 1905 | Nu, iru pli rapide! – „Na los, geh schneller!“ |
| ve | Leid oder Bedauern („weh“); auch eine Drohung | Fundamento 1905 | Ve, mi perdis la ŝlosilon! – „Weh, ich habe den Schlüssel verloren!“ |
Die Beispiele zu fi, ha, ho und nu stammen aus Zamenhofs Ekzercaro (§ 26). Status und Jahreszahlen folgen dem Akademia Vortaro der Akademie.
Nu: das Allzweckwort
Nu kündigt an, dass etwas Beachtenswertes folgt. Das PMEG führt viele Verwendungen auf, darunter:
- Ungeduld: Nu, iru pli rapide! – „Na los, geh schneller!“
- Zustimmung: Nu, bone, mi venos. – „Na gut, ich komme.“
- Zögern: Nu... mi ne scias. – „Na ja ... ich weiß nicht.“
- Resignation: Nu, tia estas la vivo. – „Tja, so ist das Leben.“
- Trost: Nu, nu, ĉio estos bone. – „Na, na, alles wird gut.“
Je nach Lage entspricht nu dem deutschen „na“, „nun“ oder „tja“. Das ReVo fügt hinzu, dass nu auch eine Bedeutung als Konjunktion hat; ein folgendes „!“ oder „...“ zeigt die Interjektion an.
Ho, ha, he und ve
Ho ist die allgemeinste. Sie ist üblich vor einer Anrede (ho, Dio!) und in Verbindungen wie ho ve („o weh“) und he ho. Ha steht dem Staunen näher; verdoppelt ahmt ha ha Lachen nach. He lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Ve drückt Kummer aus und kann eine Warnung sein: Ve al vi, se vi tion faros! – „Weh dir, wenn du das tust!“
Adiaŭ und bis in der Praxis
Das PMEG bemerkt, dass adiaŭ in der Praxis wenig gebraucht wird. Meist sagt man ĝis (la) revido! oder ĝis!, was ein Wiedersehen erwartet; siehe Begrüßungen. Bis beschränkt sich auf künstlerische und musikalische Zusammenhänge und ist ebenfalls selten; häufiger sagt man pli, plian oder denove.
Inoffizielle Interjektionen
Das PMEG nennt mehr als vierzig Beispiele und fügt hinzu, dass Form und Bedeutung je nach Sprecher und Lage schwanken, man die Erklärungen also nicht zu ernst nehmen soll. Inoffiziell heißt nicht falsch: Diese Wörter sind in Rede und Schrift ganz normal.
| Wort | Ausdruck | Beispiel |
|---|---|---|
| lo | ein Ruf, nur im Telefonruf ha lo gebraucht | Ha lo, ĉu vi aŭdas min? – „Hallo, hörst du mich?“ |
| hola | ein Ruf | Hola! Ĉu iu estas hejme? – „Hallo! Ist jemand zu Hause?“ |
| hoj | ein Ruf aus der Ferne | Hoj! Ni estas ĉi tie! – „Hoi! Wir sind hier!“ |
| hej | Ermunterung, Aufforderung zur Fröhlichkeit | Hej, ni dancu! – „Hei, lasst uns tanzen!“ |
| hop | Aufforderung zum Springen | Hop! Super la barilon! – „Hopp! Über den Zaun!“ |
| stop | „halt!“ | Stop! Ne iru plu! – „Stopp! Geh nicht weiter!“ |
| aha | etwas Erwartetes oder Vermutetes bemerken | Aha, tial vi ne venis! – „Aha, deshalb bist du nicht gekommen!“ |
| ehe | plötzliches Verstehen | Ehe, nun mi komprenas! – „Ach so, jetzt verstehe ich!“ |
| oho | Überraschung | Oho, kiom da homoj! – „Oho, wie viele Leute!“ |
| aĥ | starke Überraschung oder Bedauern | Aĥ, kia domaĝo! – „Ach, wie schade!“ |
| aj, aŭ | Schmerz | Aj, mia piedo! – „Aua, mein Fuß!“ |
| oj | bitteres Bedauern oder Schmerz | Oj, mi perdis ĉion! – „Oje, ich habe alles verloren!“ |
| ba, baf | achtlose Abweisung | Ba, tio ne gravas. – „Bah, das ist nicht wichtig.“ |
| be | Verwirrung (auch das Blöken eines Schafs) | Be... mi ne komprenas. – „Äh ... ich verstehe nicht.“ |
| hm | eine Denkpause, Zweifel, Widerspruch, ein vorgetäuschtes Husten | Hm, mi devas pripensi. – „Hm, ich muss nachdenken.“ |
| uf | Erleichterung nach Anstrengung (fu: dasselbe oder ein unterdrücktes Lachen) | Uf, finfine finite! – „Uff, endlich geschafft!“ |
| hu | plötzliche Furcht | Hu! Kio estis tio? – „Huch! Was war das?“ |
| hu ha | große Aufregung | – |
| o kej | Zustimmung, „okay“ | O kej, ni iru. – „Okay, gehen wir.“ |
| amen, haleluja, hosana | religiöse Ausrufe des Judentums und Christentums | – |
Aŭ „aua“ wird wie die Konjunktion aŭ „oder“ geschrieben; der Zusammenhang zeigt, welches gemeint ist. Hej ist in der Liste des PMEG kein Gruß: Für „Hallo“ sagt man Saluton!.
Lautwörter und Tierlaute
Lautwörter (Onomatopoetika) sind der lockerste Teil der Sprache. Das PMEG sagt, dass die Grammatikregeln für sie nicht gelten und sie die üblichen Lautregeln brechen dürfen: sss hat drei gleiche Konsonanten und keinen Vokal.
| Wort | Ahmt nach oder dient für |
|---|---|
| ŭa | den Schrei eines Babys; das Bellen eines Hundes |
| hot, hoto | ein Pferd antreiben oder eine Kuh verscheuchen |
| huŝ, tju | Tiere verscheuchen |
| gik gak | eine Ente |
| hu hu | eine Eule |
| kluk kluk | eine Henne; auch, wie glu glu, Wasser, das aus einer Flasche gluckert |
| kŭaks, brekekekeks | eine Kröte |
| kva, kvak | einen Frosch |
| kvivit | einen zwitschernden Vogel |
| glu glu glu | einen Truthahn |
| puf, pum | den dumpfen Aufprall eines Falls |
| sss | ein Zischen |
| tik tak | eine mechanische Uhr |
- Puf! La libro falis de la breto. – „Plumps! Das Buch fiel vom Regal.“
- La anaso diras “gik gak”, kaj la rano diras “kva”. – „Die Ente sagt „gik gak“, und der Frosch sagt „kva“.“
Die Tierlaute weichen vom Deutschen ab: Dort quakt die Ente wie der Frosch („quak“), im Esperanto sagt die Ente gik gak und der Frosch kva.
Jede Wurzel kann ihre Endung verlieren und zum Ausruf oder Laut werden. Das PMEG nennt halt! (von halti), ek! „los!“, eks! „weg damit!“ und help!. Aus Verben entstehen Laute, indem man die Endung abwirft, manchmal mit Änderungen: kraki → krak!, plaŭdi → plaŭ!, boji → boj!, tinti → tin tin!, pafi → pif, paf!. Das PMEG rät, dies sparsam und nur bei Wurzeln mit einem Vokal zu tun, denn ein bloßes rapid! lässt die Betonung offen.
Wörter aus Interjektionen
Eine offizielle Interjektion hat keine Endung, aber manche haben abgeleitete Wörter mit normalen Endungen (siehe Wortbildung). Diese Formen sind im PMEG oder ReVo belegt:
| Interjektion | Abgeleitete Wörter | Bedeutung |
|---|---|---|
| adiaŭ | adiaŭi, adiaŭo, adiaŭa | sich verabschieden; ein Abschied; Abschieds- (Adjektiv) |
| bis | bisi | „Bis!“ rufen, eine Wiederholung verlangen |
| fi | fia | verächtlich; fi- ist auch ein Präfix: fihomo „ein niederträchtiger Mensch“ |
| hura | hurao, hurai | ein Hochruf; hochrufen, jubeln (ReVo) |
| ve | veo, vei (auch veadi), vea, hejmveo | ein Wehruf; wehklagen; leidvoll; Heimweh |
| stop | stopi | zum Stehen bringen |
| hop | hopi | auf einem Bein hüpfen |
- Ni adiaŭis niajn amikojn en la stacidomo. – „Wir verabschiedeten uns am Bahnhof von unseren Freunden.“
- La infanoj huraas. – „Die Kinder rufen Hurra.“
Das PMEG und das ReVo kennen keine abgeleiteten Wörter von he, ho oder nu; erfinde also keine.
Saluton und Dankon sind keine Interjektionen
Saluton! „Hallo!“ und Dankon! „Danke!“ sehen wie Ausrufe aus, sind aber Substantive mit der Akkusativendung. Das PMEG behandelt sie als verkürzte Sätze: Saluton! = (Mi donas al vi) saluton „(Ich gebe dir) einen Gruß“, und Dankon! = (Mi donas al vi) dankon. Dasselbe gilt für Bonan matenon! – „(Ich wünsche dir) einen guten Morgen“. Das -n kennzeichnet das Objekt eines Verbs, das nicht mehr ausgesprochen wird. Für Antworten siehe die Höflichkeitsformeln.
Das Deutsche macht es genauso: „Guten Morgen!“ steht im Akkusativ („guten“, nicht „guter“), weil ein Verb wie „wünschen“ weggefallen ist.
Weitere Ausdrücke, die nur wie Interjektionen aussehen:
- Jes, ne, jen sind adverbähnliche Partikeln (Adverbien).
- Pardonu!, Bonvolu!, Helpu! sind Imperative auf -u.
- Kia bela tago! – „Was für ein schöner Tag!“ ist mit einem Tabellwort gebildet; das PMEG führt Kia ĝoja festo! unter den verkürzten Sätzen, nicht unter den Interjektionen.
Aussprache und Schreibung
Normalerweise liegt die Betonung auf dem vorletzten Vokal (siehe das Alphabet): HU-ra, A-ha, HO-la. Das PMEG bemerkt, dass Interjektionen oft anders betont werden, als die Schreibung nahelegt. Es empfiehlt dann, das Wort zu trennen oder anders zu schreiben, damit die Schrift zum Klang passt.
| Wort | Betonung nach der Regel | Übliche Aussprache | Schreibung dafür |
|---|---|---|---|
| hura | HU-ra | hu-RA | hu ra |
| hola | HO-la | ho-LA | ho la |
| aha, ehe, oho | A-ha, E-he, O-ho | a-HA, e-HE, o-HO | a ha, e he, o ho |
| o kej | O-kej | o-KEJ | o kej, nicht okej |
| miaŭ | MI-aŭ | mi-AŬ | mjaŭ |
Deutschsprachigen ist das vertraut: Auch „Hurra“ und „aha“ werden auf der zweiten Silbe betont.
Der Telefonruf ist ha lo, stets „ha-LO“ gesprochen. Als halo geschrieben, würde man es als das gewöhnliche Substantiv halo lesen, betont HA-lo. Der Buchstabe ŭ steht normalerweise nach a oder e, doch 2023 ließ die Akademie ihn in Ausrufen und Lautwörtern auch an anderen Stellen zu, wie in ŭa und kŭaks.
Gebrauch und Kultur
- Viele der ReVo-Belege für ve, ho, nu und hura stammen aus Zamenhofs Übersetzungen von Andersen, Schiller und dem Alten Testament. Seine Preĝo sub la Verda Standardo verwendet ho in der Anrufung eines „mächtigen, körperlosen Mysteriums“.
- Das PMEG beschreibt ha lo als Ruf, der besonders am Telefon gebraucht wird. Das ReVo bevorzugt dort unter Berufung auf einen Sprachratgeber saluton.
Beispiele in Sätzen
- Ho, kia bela vespero! – „Oh, was für ein schöner Abend!“
- Ha, jen vi estas! – „Ah, da bist du ja!“
- He, atendu min! – „He, warte auf mich!“
- Nu, kion ni faru nun? – „Nun, was machen wir jetzt?“
- Ve, la lasta buso jam foriris! – „O weh, der letzte Bus ist schon weg!“
- Fi, kia malpura ĉambro! – „Pfui, was für ein schmutziges Zimmer!“
- Hura, morgaŭ komenciĝas la ferioj! – „Hurra, morgen fangen die Ferien an!“
- Post la koncerto ĉiuj kriis: Bis! Bis! – „Nach dem Konzert riefen alle: Zugabe! Zugabe!“
- Adiaŭ, kara amiko! – „Leb wohl, lieber Freund!“
- Aj, mi tranĉis mian fingron! – „Aua, ich habe mir in den Finger geschnitten!“
Häufige Fragen
Wie viele Interjektionen hat Esperanto?
Neun sind offiziell: adiaŭ, bis, fi, ha, he, ho, hura, nu, ve. Viele weitere sind inoffiziell, und Sprecher können Lautwörter frei erfinden.
Ist Saluton eine Interjektion?
Nein. Es ist das Substantiv saluto „Gruß“ mit der Akkusativendung -n, kurz für Mi donas al vi saluton. Dankon funktioniert ebenso.
Wie sagt man „aua“ auf Esperanto?
Für Schmerz gilt aj! oder aŭ! – letzteres klingt fast wie das deutsche „aua“. Oj! drückt bitteres Bedauern oder Schmerz aus.
Wie sagt man „hurra“ auf Esperanto?
Hura! Es ist eine offizielle Interjektion, 1921 aufgenommen. „Jubeln“ heißt hurai: La infanoj huraas.
Können Interjektionen Endungen annehmen?
Manche schon: veo, adiaŭi, bisi, fia, hurai. Andere, etwa ho und nu, haben keine üblichen abgeleiteten Formen.
Wo liegt die Betonung bei hura und aha?
Nach der Regel auf HU-ra und A-ha. Viele Sprecher sagen hu-RA und a-HA; das PMEG schlägt dann vor, hu ra und a ha zu schreiben.
Quellen
- PMEG Kap. 18 – Interjektionen und Lautwörter
- PMEG 18.1 – Offizielle Interjektionen
- PMEG 18.2 – Gewöhnliche Wurzeln als Interjektionen
- PMEG 18.3 – Inoffizielle Interjektionen und Lautwörter
- PMEG 18.4 – Aussprache und Schreibung
- PMEG 32.3 – Verkürzte Sätze (Saluton!, Dankon!)
- Fundamento de Esperanto – Ekzercaro, § 26 und Universala Vortaro
- Akademia Vortaro – Status jedes Elements und Erläuterungen mit den Jahren der Offiziellen Ergänzungen
- Akademio de Esperanto – Erklärung zum Buchstaben ŭ (9. April 2023)
- ReVo (Reta Vortaro): ve, hura, nu, bis, adiaŭ, hola
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