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Redewendungen

Esperanto-Slang und Szenewörter: krokodili, kabei, mojosa

Die informellen Wörter, Scherze und Abkürzungen, die Esperanto-Sprecher benutzen, die Anfängerkurse aber auslassen.

Aktualisiert: 3 Min. Lesezeit

Esperanto-Slang ist der informelle Wortschatz, den die Sprecher für sich geschaffen haben: krokodili „unter Esperantisten eine andere Sprache sprechen“, kabei „die Bewegung verlassen“, samideano „Gleichgesinnter, Mit-Esperantist“ und mojosa „cool“. Kurse lehren diese Wörter selten, doch auf Kongressen, in Gruppen und im Chat begegnest du ihnen. Die meisten sind aus regelmäßigen Wortteilen wie -ul-, -ism- und -aĵ- gebaut (siehe Suffixe), man kann sie also oft erraten.

Die Umschrift teilt die Wörter in Silben, schreibt sie mit deutschen Buchstaben (ĉ = tsch, ĝ = dsch, ĵ = zh, c = z, v = w, aŭ = au, s vor Vokal als „ß“) und zeigt die betonte Silbe in Großbuchstaben; Einzelheiten stehen unter Alphabet und Aussprache.

Wörter für die Gemeinschaft

EsperantoBedeutungHerkunft / Hinweis
Esperantujo (es-pe-ran-TU-jo)das „Land“ des Esperanto: die Gemeinschaft und alle Orte, an denen sie sich trifft, vom Kongress bis zur Online-GruppeEsperanto + -ujo, wie in Ländernamen (Francujo). Auch Esperantio geschrieben. Es hat kein Staatsgebiet.
samideano (ßa-mi-de-A-no)Mit-Esperantist, Gleichgesinnter; eine freundliche Anrede dafürsama „gleich“ + ideo „Idee“ + -ano „Mitglied“. Zamenhof gebrauchte es in Kongressreden.
esperantisto (es-pe-ran-TIS-to)wer Esperanto kann und benutztManche bevorzugen esperantoparolanto „Esperanto-Sprecher“, weil -isto an einen Beruf oder eine Ideologie denken lassen kann.
verdulo (wer-DU-lo)ein eifriger Esperantistverda „grün“ + -ulo „Person“; Grün ist die Farbe der Bewegung. Es bedeutet auch ein Mitglied einer grünen Partei.
denaskulo (de-nas-KU-lo)Muttersprachler: wer Esperanto als Kind zu Hause gelernt hatdenaska „von Geburt an“ + -ulo. Siehe Muttersprachler.
interna ideo (in-TER-na i-DE-o)„innere Idee“: die Hoffnung, dass Esperanto die Völker einander wie Brüder näherbringtZamenhofs Wendung, in Reden gebraucht, zum Beispiel auf dem Kongress in Krakau 1912.

Wörter über den Sprachgebrauch

EsperantoBedeutungHerkunft / Hinweis
krokodili (kro-ko-DI-li)unter Esperantisten eine andere Sprache als Esperanto sprechen, meist die gemeinsame Muttersprachekrokodilo „Krokodil“ + -i. Der Ursprung ist ungewiss; eine Geschichte erzählt von einem hölzernen Krokodil im Unterricht von Andreo Cseh. Auf einem Treffen in Deutschland hieße das: untereinander Deutsch reden.
aligatori, kajmani, gavialiseltenere Verwandte. Aligatori: eine andere Sprache, die nur einige der Anwesenden als Muttersprache sprechen. Kajmani: eine, die niemand der Anwesenden als Muttersprache spricht. Gaviali: Esperanto benutzen, wo eine andere Sprache besser passen würdeWeitere Reptilien nach dem Vorbild von krokodili. Die genauen Definitionen schwanken.
kabei (ka-BE-i)die Esperanto-Bewegung verlassen, nachdem man darin aktiv warVom Pseudonym Kabe von Kazimierz Bein; siehe unten.
volapukaĵo (wo-la-pu-KA-zho)Kauderwelsch; etwas, das man nicht verstehtVolapuko + -aĵo „Ding“. Ein Scherz über Volapük, die frühere Plansprache (1879) des badischen Pfarrers Johann Martin Schleyer, die mit Esperanto konkurrierte; siehe Esperanto im Vergleich. Dem deutschen „böhmische Dörfer“ entspricht es etwa.
bonantagulo (bo-nan-ta-GU-lo)neckendes Wort für jemanden, dessen Esperanto nur aus ein paar Grüßen bestehtbonan tagon + -ulo. Es kann unfreundlich klingen, also benutze es mit Vorsicht.
mojosa (mo-JO-ßa)cool, großartig, stilvoll; meist von jüngeren Sprechern zu hören2003 auf einem Jugendseminar in Ungarn aus den Anfangsbuchstaben von modern-jun-stil „modern-jung-Stil“ erfunden: M, J, S, gesprochen mo-jo-so. Auch mojosega „sehr cool“.

Wörter über die Ziele der Bewegung

EsperantoBedeutungHerkunft / Hinweis
fina venko (FI-na WEN-ko)„Endsieg“: die Hoffnung, dass eines Tages die meisten Menschen Esperanto als Zweitsprache sprechenOft Fina Venko geschrieben.
finvenkismo, finvenkisto (fin-wen-KIS-mo, fin-wen-KIS-to)das Hinarbeiten auf dieses Ziel; wer dieses Ziel verfolgtfina venko + -ismo „Lehre“ oder -isto.
raŭmismo (rau-MIS-mo)die Ansicht, dass Esperanto schon jetzt als lebendige Sprache und Kulturgemeinschaft wertvoll ist, nicht nur als künftige WeltspracheVom Rauma-Manifest, 1980 in Rauma in Finnland verfasst. Oft dem finvenkismo gegenübergestellt; siehe Kritik.
zamenhofa (ßa-men-HO-fa)zamenhofsch; im Einklang mit seinem eigenen Sprachgebrauch und seinen BeispielenDas PMEG nennt die Beispiele, die es aus seinen Texten nimmt, zamenhofaj.

Veranstaltungen und Orte

EsperantoBedeutungHerkunft / Hinweis
gufujo (gu-FU-jo)ein ruhiges Nachtcafé bei Esperanto-Veranstaltungen: Kerzen, Tee statt Alkohol, kein Rauchen, Musik oder Lesungengufo „(Uhu-)Eule“, für Nachteulen, + -ujo. Zum ersten Mal Ende 1995 bei einem deutschen Jugendseminar zum Jahreswechsel veranstaltet.
UK (u-KO)der Esperanto-Weltkongress, Universala KongresoSiehe Esperanto-Weltkongress.
IJKder Internationale Jugendkongress, Internacia Junulara KongresoVon der TEJO veranstaltet; der erste fand 1938 in Groet in den Niederlanden statt.
Pasporta Servo (pas-POR-ta SSER-wo)„Passdienst“: eine Liste von Gastgebern, die reisenden Esperanto-Sprechern kostenlos ein Bett anbietenSeit 1974, anfangs mit 40 Gastgebern. Siehe Pasporta Servo.

Abkürzungen in Text und Chat

EsperantoBedeutungHerkunft / Hinweis
ktp, k.t.p.„und so weiter“ (usw.)kaj tiel plu. Das PMEG schreibt es mit Punkten.
ekz.„zum Beispiel“ (z. B.)ekzemple.
k.a., k.s.„und andere“ (u. a.), „und ähnliche“kaj aliaj, kaj similaj.
t.e.„das heißt“ (d. h.)tio estas.
bv, bv.„bitte“bonvolu, in Nachrichten und im Chat.
s-ro, s-ino, d-ro„Herr“, „Frau“, „Dr.“sinjoro, sinjorino, doktoro.

Lockere Grüße wie Sal!, Ĉaŭ! und Ĝis! stehen unter Begrüßungen. Tastaturen ohne ĉ ĝ ĥ ĵ ŝ ŭ sind der Grund, warum im Chat oft cx, gx und so weiter getippt wird; siehe das x-System.

Wer war Kabe, und warum wurde sein Name zum Verb?

Kabe war das Pseudonym von Kazimierz Bein (1872–1959), einem polnischen Augenarzt und einem der führenden frühen Übersetzer und Stilisten des Esperanto. Der Name ist die polnische Aussprache seiner Initialen K. B. Er lernte die Sprache 1903, wurde 1904 durch seine Übersetzung von Sieroszewskis Roman La fundo de l' mizero berühmt und war ab 1906 Vizepräsident der Akademie des Esperanto. 1907 folgte seine Übersetzung von Prus’ La Faraono.

1911 verließ er die Bewegung plötzlich und ohne Begründung. In einem Interview von 1931 sagte er, der mangelnde Fortschritt der Sprache lasse sie ihm nicht mehr als die Antwort erscheinen. Die Esperantisten bildeten aus seinem Namen das Verb kabei, und schon 1935 schrieb der Dichter Kálmán Kalocsay in der Enciklopedio de Esperanto, es sei zu einem Sinnbild des Abfalls geworden.

Der Slang in Sätzen

EsperantoDeutsch
Ni krokodilis la tutan vesperon.Wir haben den ganzen Abend unsere eigene Sprache gesprochen.
La koncerto estis mojosega!Das Konzert war richtig cool!
Tiu instrukcio estas por mi volapukaĵo.Diese Anleitung ist für mich Kauderwelsch.
Ni renkontiĝu en la gufujo post la koncerto.Treffen wir uns nach dem Konzert im Gufujo.
Ĝis, samideanoj!Tschüss, Esperantisten!

Wann solltest du diesen Slang benutzen?

  • Unter Freunden, bei Treffen und im Chat. In formellen Texten nimm lieber Standardwörter und die Grundphrasen. Wer ein Treffen in Deutschland sucht, findet den Deutschen Esperanto-Bund unter Esperanto-Organisationen.
  • Erkläre das Wort, wenn du unsicher bist. Viele ältere Sprecher sind mojosa nie begegnet.
  • Spiel nicht den Aufpasser. Die Vikipedio merkt an, dass das Schelten von Anfängern mit Ne krokodilu! sie vertreiben kann. Kurz die Sprache zu wechseln, um einem Anfänger einen Grammatikpunkt zu erklären, wird eher akzeptiert.

Häufige Fragen

Was bedeutet krokodili im Esperanto?

Es bedeutet, unter Esperantisten eine andere Sprache als Esperanto zu sprechen, meist die gemeinsame Muttersprache. Die Sprecher raten davon ab, weil Treffen eine seltene Gelegenheit zum Üben sind, und weil es andere ausschließen und bei Außenstehenden einen schlechten Eindruck machen kann.

Was bedeutet kabei?

Kabei heißt, die Esperanto-Bewegung zu verlassen, nachdem man ein aktives Mitglied war. Es kommt von Kabe, dem Pseudonym von Kazimierz Bein, einem führenden Übersetzer, der 1911 ausstieg.

Was bedeutet mojosa?

Mojosa bedeutet „cool“. Es wurde 2003 aus den Anfangsbuchstaben von modernjunstila „modern-jung-stilvoll“ gebildet und steht heute im Online-Wörterbuch ReVo.

Was ist ein gufujo?

Ein gufujo ist ein ruhiges Nachtcafé bei Esperanto-Veranstaltungen, mit Kerzenlicht und Tee statt Alkohol. Das erste fand Ende 1995 statt; gufo bedeutet „Eule“.

Was ist Esperantujo?

Esperantujo ist der informelle Name für die Esperanto sprechende Welt, ihre Gemeinschaft und ihre Treffpunkte, behandelt, als wäre sie ein Land. Man sagt auch Esperantio.

Quellen

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