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Redewendungen

Politik und Gesellschaft auf Esperanto: Wörter für Debatten

Die Kernwörter der Nachrichten und der politischen Diskussion, dazu Redewendungen zum Zustimmen, Widersprechen und Vorschlagen.

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit

Politik heißt auf Esperanto politiko, eine Regierung registaro und abstimmen voĉdoni. Die meisten politischen Wörter sind internationale Wurzeln mit einer Esperanto-Endung, parlamento, kandidato, demokratio und traktato kommen dir also bekannt vor. Diese Seite ordnet rund 80 Wörter nach Themen und fügt dann Redewendungen für Diskussionen und Wortbildung hinzu. Die Wörter sind neutrale Bezeichnungen; die Seite ergreift keine Partei. Die Umschrift teilt die Wörter in Silben, schreibt sie mit deutschen Buchstaben (ĉ = tsch, ĝ = dsch, ĵ = zh wie das stimmhafte „sch“ in „Journal“, ŝ = sch, c = z, z = stimmhaftes „s“, v = w, aŭ = au, eŭ = e und u in einer Silbe, nicht „oi“, s vor Vokal, p oder t als „ß“) und zeigt die betonte Silbe in Großbuchstaben; die Regeln stehen unter Alphabet und Aussprache.

Staat und Macht

Ŝtato ist die politische Organisation und lando das Gebiet; beide benutzt man für „Land“. Registaro ist reg·ist·ar·o: reg- „regieren“, -ist- für eine Person, -ar- für eine Gruppe. Ein einzelnes Regierungsmitglied ist ein registo (ReVo).

DeutschEsperantoAusspracheHinweis
Politikpolitikopo-li-TI-koein Wort für „politics“ und „policy“, wie im Deutschen
StaatŝtatoSCHTA-tonicht stato „Zustand“ (siehe Falsche Freunde)
Regierungregistarore-gis-TA-ro
Ministerministromi-NIS-troMinisterium: ministerio, ministrejo
Premierminister, Regierungschefĉefministrotschef-mi-NIS-troĉefo „Chef“ + ministro
Präsident eines Landesprezidentopre-si-DEN-toReVo: ein Sonderfall von prezidanto
Vorsitzender, Präsident einer Sitzungprezidantopre-si-DAN-tovon prezidi „den Vorsitz führen“
Staatsoberhauptŝtatestroschta-TES-troŝtat- + -estr- „Leiter“
König, Königinreĝo, reĝinoRE-dscho, re-DSCHI-no
Republikrespublikores-pu-BLI-ko
Parlamentparlamentopar-la-MEN-to
Abgeordneterdeputitode-pu-TI-toauch „Deputierter“
GesetzleĝoLE-dscho
Verfassungkonstituciokon-ßti-tu-ZI-oim Alltag meint das deutsche „Konstitution“ meist die körperliche Verfassung
Gerichtjuĝejoju-DSCHE-jojuĝi „richten, urteilen“ + -ej- „Ort“; auch tribunalo
Bürgermeisterurbestrour-BES-trourbo „Stadt“ + -estr-

Wahlen und Parteien

Elekti „wählen, auswählen“ hat ein direktes Objekt und braucht deshalb den Akkusativ -n: Ni elektas la urbestron. Nach voĉdoni „abstimmen“ sagt eine Präposition, wie: voĉdoni por la propono „dafür“, voĉdoni kontraŭ la propono „dagegen“, voĉdoni pri la propono „über“ (siehe Präpositionen). ReVo kennt auch baloti „per Stimmzettel abstimmen“, sagt aber, dass voĉdoni oder elekti es immer ersetzen können. Das deutsche „wählen“ deckt beides ab; im Esperanto trennt man elekti (eine Person oder Sache auswählen) und voĉdoni (seine Stimme abgeben).

DeutschEsperantoAusspracheHinweis
Wahl, Auswahlelektoe-LEK-to
wählenelektie-LEK-tinimmt -n
abstimmenvoĉdoniwotsch-DO-nivoĉo „Stimme“ + doni „geben“
Abstimmung (die Handlung)voĉdonowotsch-DO-no
Wahlrecht, Stimmrechtvoĉdonrajtowotsch-don-RAJ-to
Stimmzettelbalotiloba-lo-TI-lo
Wahllokalbalotejoba-lo-TE-jo-ej- „Ort“
Kandidatkandidatokan-di-DA-to
Parteipartiopar-TI-oMitglied: partiano; die „Party“ ist festo
Wahlkampf, Kampagnekampanjokam-PAN-jo
Mehrheitplimultopli-MUL-toauch majoritato (selten, ReVo)
Minderheitmalplimultomal-pli-MUL-tomal- „Gegenteil“
Oppositionopozicioo-po-si-ZI-o
Volksabstimmung, Referendumreferendumore-fe-ren-DU-mo

Rechte, Gesellschaft und Wirtschaft

DeutschEsperantoAusspracheHinweis
Recht, AnspruchrajtoRAJ-to
Freiheitliberecoli-be-RE-zo
Gleichheitegalecoe-ga-LE-zo
Gerechtigkeitjustecojus-TE-zo
Demokratiedemokratiode-mo-kra-TI-o
Diktaturdiktaturodik-ta-TU-ro
Gesellschaftsocioßo-ZI-o
Bürger, Staatsbürgercivitanozi-wi-TA-no
Volk, Bevölkerung einer Nationpopolopo-PO-lo
Steuerimpostoim-POS-toPlural impostoj
Wirtschaftekonomioe-ko-no-MI-o
Gewerkschaftsindikatoßin-di-KA-tonicht „Syndikat“; Arbeiter: laboristoj, siehe Beruf und Arbeit
StreikstrikoSSTRI-ko
Demonstrationmanifestacioma-ni-fes-ta-ZI-o
links, rechts (politische Flügel)maldekstra, dekstramal-DEKS-tra, DEKS-traAdjektive; ReVo verzeichnet beide politischen Bedeutungen

Nachrichten und Debatte

Novaĵo ist aus nov- „neu“ und -aĵ- „ein Ding“ gebaut: eine Neuigkeit, meist im Plural novaĵoj. Eine Zeitung ist gazeto oder ĵurnalo. Trotz des Aussehens ist ĵurnalo eine Zeitung oder ein Nachrichtenbulletin (ReVo), kein Tagebuch; das heißt taglibro.

DeutschEsperantoAusspracheHinweis
Nachrichten, Neuigkeitnovaĵono-WA-zho
Zeitunggazeto, ĵurnaloga-SE-to, zhur-NA-lo
Journalistĵurnalistozhur-na-LIS-to
die Pressegazetaroga-se-TA-roalle Zeitungen eines Ortes
Massenmedienamaskomunikiloa-mas-ko-mu-ni-KI-loamas- „Masse“
TatsachefaktoFAK-to
Meinungopinioo-pi-NI-omeinen: opinii
Debattedebatode-BA-to
Diskussion, diskutierendiskuto, diskutidis-KU-to, dis-KU-ti
Argumentargumentoar-gu-MEN-to
Vorschlag, vorschlagenpropono, proponipro-PO-no, pro-PO-ni
zustimmenkonsentikon-SSEN-ti
nicht zustimmen, anderer Meinung seinmalkonsentimal-kon-SSEN-timal- + konsenti
Einigung, Übereinkunftinterkonsentoin-ter-kon-SSEN-to
Kompromisskompromisokom-pro-MI-ßo
unterstützensubteni, apogißub-TE-ni, a-PO-gi
sich widersetzen, entgegentretenkontraŭikon-TRAU-i

Internationale Beziehungen

Die Vereinten Nationen heißen Unuiĝintaj Nacioj (UN), gebaut aus unuiĝi „sich vereinigen“, der Partizipendung -int- und dem Plural -aj. Das Deutsche sagt „vereint“, das Esperanto wörtlich „vereinigt“. ReVo merkt an, dass nacio normalerweise „ein Volk“ bedeutet; der Sinn „Staat“ erscheint in Begriffen, die aus dem Englischen übersetzt sind, wie diesem hier. Die Europäische Union heißt Eŭropa Unio (EU); ReVo definiert sie als wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluss europäischer Staaten, gegründet 1993. Der Esperanto-Weltverband hat offizielle Beziehungen zur UNESCO und zum ECOSOC der UN (siehe Esperanto-Organisationen).

DeutschEsperantoAusspracheHinweis
Vereinte NationenUnuiĝintaj Nacioju-nu-i-DSCHIN-taj na-ZI-ojbeide Wörter groß geschrieben
Europäische UnionEŭropa Unioeu-RO-pa u-NI-o
internationalinternaciain-ter-na-ZI-a
Botschaftambasadoam-ba-SSA-do
Botschafterambasadoroam-ba-ßa-DO-ro
Vertragtraktatotrak-TA-to
Kriegmilitomi-LI-to
FriedenpacoPA-zo
Sanktionen (Strafmaßnahmen)sankciumoßank-zi-U-mosankcio allein heißt Zustimmung
Flüchtlingrifuĝintori-fu-DSCHIN-to
Grenzelandlimoland-LI-molando + limo „Grenze“

Zu den Sanktionen: ReVo definiert sankcio als amtliche Zustimmung, kennzeichnet die Strafbedeutung als „zu vermeiden“ und nennt sankciumo für eine Strafe, die auf ein politisches Vergehen folgt. Das Deutsche kennt beide Bedeutungen in einem Wort („Sanktionen verhängen“, aber auch „etwas sanktionieren“ im Sinn von „billigen“); das Esperanto trennt sie. Ländernamen und Nationalitäten (Francio, Usono, usonano) stehen auf der Seite Länder und Sprachen.

Redewendungen für eine Diskussion

EsperantoDeutsch
Mi konsentas kun vi.Ich stimme dir zu.
Mi ne konsentas kun vi pri tio.Da stimme ich dir nicht zu.
Laŭ mia opinio, la propono estas bona.Meiner Meinung nach ist der Vorschlag gut.
Mi opinias, ke ni bezonas pli da tempo.Ich denke, dass wir mehr Zeit brauchen.
Kion vi opinias pri la nova leĝo?Was hältst du vom neuen Gesetz?
Tio estas fakto, ne opinio.Das ist eine Tatsache, keine Meinung.
Ni devas trovi kompromison.Wir müssen einen Kompromiss finden.
Mi proponas, ke ni voĉdonu.Ich schlage vor, dass wir abstimmen.
Kiu voĉdonas por la propono, kaj kiu kontraŭ?Wer stimmt für den Vorschlag, und wer dagegen?

Konsenti ist das schlichte Wort für „zustimmen“; ReVos eigenes Beispiel ist mi konsentas kun vi. Nach proponi folgt auf ke die -u-Form: Mi proponas, ke ni voĉdonu. Das Deutsche hat dort einen Indikativ („dass wir abstimmen“).

Sätze aus den Nachrichten

EsperantoDeutsch
La registaro proponis novan leĝon.Die Regierung hat ein neues Gesetz vorgeschlagen.
La parlamento voĉdonis pri la leĝo.Das Parlament hat über das Gesetz abgestimmt.
Ni elektos novan prezidenton.Wir werden einen neuen Präsidenten wählen.
La elekto okazos en Novembro.Die Wahl findet im November statt.
La ministro parolis kun ĵurnalistoj.Der Minister sprach mit Journalisten.
La du landoj subskribis traktaton pri paco.Die beiden Länder unterzeichneten einen Friedensvertrag.
Ĉiu civitano havas la rajton voĉdoni.Jeder Bürger hat das Recht, abzustimmen.
Mi legas la novaĵojn ĉiutage.Ich lese jeden Tag die Nachrichten.

Direkte Objekte bekommen -n: novan leĝon, prezidenton, traktaton. Monatsnamen schreibt man nach der Konvention groß, wie in Novembro.

Weitere politische Wörter bilden

Wer die Endungen kennt, kann viele Wörter lesen, die er noch nie gesehen hat. Politikisto ist „Politiker“, aus politiko + -ist-; das PMEG stellt -ist--Wörter neben -ism--Wörter, wie in ReVos socialismo und socialisto. Eine Wurzel kann das System, die Person und die Eigenschaft benennen: demokratio „Demokratie“, demokrato „Demokrat“, demokrata „demokratisch“.

WortteilBedeutungBeispielDeutsch
-ist-Person, die sich damit befasstpolitikistoPolitiker
-ism-Lehre, Systemliberalismo, socialismoLiberalismus, Sozialismus
-an-Mitgliedpartiano, civitanoParteimitglied, Bürger
-ej-OrtbalotejoWahllokal
-ar-Gruppegazetaro, ministrarodie Presse, ein Kabinett
-estr-Leiterurbestro, ŝtatestroBürgermeister, Staatsoberhaupt
-ec-Eigenschaftlibereco, egalecoFreiheit, Gleichheit
eks-ehemaligeksministroehemaliger Minister
mal-Gegenteilmalplimulto, malkonsentiMinderheit, nicht zustimmen

Das Muster ist dasselbe wie bei anderen Themen: siehe Suffixe und Präfixe.

Wo man Nachrichten auf Esperanto liest

Esperanto-Medien sind klein; nimm sie deshalb als Leseübung für diese Wörter und nicht als täglichen Weltnachrichtendienst.

  • Monato – ein internationales Nachrichtenmagazin, monatlich erscheinend, vom Verlag Flandra Esperanto-Ligo in Antwerpen. ReVo zitiert seine Artikel in vielen Einträgen, zum Beispiel unter konsenti.
  • Libera Folio – ein unabhängiges Online-Bulletin über die Esperanto-Bewegung seit dem 12. April 2003; wir zitieren seine Berichte auf mehreren Seiten.
  • La Ondo de Esperanto – eine Zeitschrift des Verlags Sezonoj in Kaliningrad.
  • Esperanto – die Monatszeitschrift des Esperanto-Weltverbands; Kontakto – die Zeitschrift seiner Jugendorganisation TEJO.
  • Esperanto aktuell – die Zeitschrift des Deutschen Esperanto-Bundes (siehe Esperanto-Organisationen).
  • Muzaiko – ein Esperanto-Internetradiosender, der am 1. Juli 2011 den Sendebetrieb aufnahm.

Mehr zum Hören und Lesen steht auf der Seite Ressourcen.

Häufige Fragen

Wie sagt man „Regierung“ auf Esperanto?

Registaro. Ein einzelnes Mitglied ist ein registo, die Minister sind ministroj und der Leiter ist der ĉefministro „Premierminister“.

Wie sagt man „wählen“, „abstimmen“ und „Wahl“ auf Esperanto?

„Abstimmen“ heißt voĉdoni und „Wahl“ elekto. Man stimmt por (dafür), kontraŭ (dagegen) oder pri (über) etwas ab, und eine Person wählt man mit elekti: Ili elektis ŝin.

Wie sagt man „ich stimme zu“ und „ich stimme nicht zu“ auf Esperanto?

Mi konsentas oder Mi konsentas kun vi, und Mi ne konsentas oder Mi malkonsentas. Um deine Ansicht zu sagen, nimm Laŭ mia opinio… „meiner Meinung nach“ oder Mi opinias, ke… „ich denke, dass…“.

Heißt es prezidanto oder prezidento?

Beide gibt es. ReVo definiert prezidento als Präsident eines Landes, einen Sonderfall von prezidanto, das jeder ist, der den Vorsitz führt: prezidanto de la kunsido „Vorsitzender der Sitzung“. ReVo nennt auch „Oberhaupt einer Republik“ als Bedeutung von prezidanto.

Wie heißen die Vereinten Nationen und die Europäische Union auf Esperanto?

Unuiĝintaj Nacioj (UN) und Eŭropa Unio (EU). Beide Formen stehen in ReVo.

Quellen

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