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Die 100 häufigsten Esperanto-Verben mit Beispielen

Hundert Verben, sechs Endungen und keine unregelmäßigen Formen: Zusammen machen sie 14,2 % aller Wörter in Alltagssätzen aus.

Aktualisiert: 9 Min. Lesezeit

Die häufigsten Esperanto-Verben sind esti „sein“, povi „können“, havi „haben“, fari „machen“, diri „sagen“ und voli „wollen“. Die 100 häufigsten Verben unserer Liste der 1000 häufigsten Wörter machen 14,2 % aller Wörter in einem Korpus aus 5,8 Millionen Wörtern Alltagssätzen aus, die zehn häufigsten allein 8,1 %. Jedes Verb hat für alle Personen dieselben Endungen; eine kurze Lektion über die Verbendungen schließt deshalb die ganze Tabelle auf.

Sechs Endungen, eine Form für jede Person

Jedes Verb unten steht im Infinitiv auf -i. Um es zu benutzen, ersetzt du das -i durch eine Endung; sie ist für „ich“, „du“, „er“, „wir“ und „sie“ dieselbe.

EndungVerwendungBeispielDeutsch
-iInfinitivirigehen
-asPräsensMi iras. Ili iras.„Ich gehe. Sie gehen.“
-isVergangenheitMi iris.„Ich ging.“ / „Ich bin gegangen.“
-osFuturNi iros.„Wir werden gehen.“
-usKonditionalŜi irus.„Sie würde gehen.“
-uBefehl, WunschIru!„Geh!“

Es gibt keine unregelmäßigen Verben, nicht einmal esti: mi estas, vi estas, ili estas. Im Deutschen ändert sich dagegen jedes Verb nach der Person, und „sein“ ist dabei besonders unregelmäßig („ich bin, du bist, sie sind“). Für die Vergangenheit genügt im Alltag -is; ein deutsches Perfekt mit „haben“ oder „sein“ („ich bin gegangen“, „ich habe gesehen“) braucht es nicht. Zusammengesetzte Zeiten und Partizipien stehen unter Verben.

Die 10 Verben, die du zuerst lernen solltest

Das ist unsere eigene Auswahl, keine offizielle Liste. Acht der zehn gehören zu den zehn häufigsten Verben der Tabelle. Die beiden übrigen aus dieser Top Ten, devi und ŝati, kommen als Nächste: devi funktioniert wie povi und voli, und ŝati wird genauso benutzt (Mi ŝatas legi. – „Ich lese gern.“). Kompreni und paroli kommen hinzu, weil man sie schon im ersten Gespräch braucht.

VerbDeutschWarum zuerstBeispiel
estiseinIdentität, Ort und Zustand; mit Abstand das häufigste Verb (4,1 % aller Wörter)Mi estas studento. – „Ich bin Student.“
havihabenBesitz und FamilieMi havas fraton. – „Ich habe einen Bruder.“
voliwollenWünsche und Bestellungen in Geschäften und CafésMi volas manĝi. – „Ich will essen.“
povikönnen, dürfenFähigkeit, Erlaubnis und höfliche FragenĈu mi povas sidi ĉi tie? – „Darf ich hier sitzen?“
irigehenBewegung und WegbeschreibungenNi iras al la parko. – „Wir gehen in den Park.“
farimachen, tunBildet die Frage Kion vi faras?Ŝi faras kukon. – „Sie macht einen Kuchen.“
dirisagenDamit fragst du, wie man ein Wort sagtKiel oni diras „dankon“ angle? – „Wie sagt man ‚dankon‘ auf Englisch?“
sciiwissenFragen beantworten oder zugeben, dass du es nicht weißtĈu vi scias, kie estas la banko? – „Weißt du, wo die Bank ist?“
kompreniverstehenSagen, ob du folgen kannstĈu vi komprenas min? – „Verstehst du mich?“
parolisprechen, redenFragen, wer welche Sprache sprichtĈu vi parolas Esperanton? – „Sprichst du Esperanto?“

Die 100 häufigsten Esperanto-Verben

Rang ist die Position des Verbs unter allen 1000 Wörtern der Liste, esti steht mit Rang 3 also direkt hinter la und mi. Die Spalte Transitiv? folgt den Markierungen von ReVo, dem Reta Vortaro: T heißt transitiv (das Verb kann ein direktes Objekt mit -n haben), I intransitiv, T/I heißt, ReVo markiert beide Verwendungen, und – heißt, ReVo gibt keine Markierung an. Die Beispiele stammen von uns; jedes Verb kannst du im Wörterbuch nachschlagen.

RangVerbDeutschTransitiv?Beispiel
3estiseinILa kato estas en la ĝardeno. – „Die Katze ist im Garten.“
19povikönnen, dürfenTMi povas veni morgaŭ. – „Ich kann morgen kommen.“
21havihabenTŜi havas tri katojn. – „Sie hat drei Katzen.“
27farimachen, tunTKion vi faras? – „Was machst du?“
30dirisagenTLi diris nenion. – „Er sagte nichts.“
31voliwollenTMi volas kafon. – „Ich will Kaffee.“
35sciiwissenTMi ne scias la respondon. – „Ich weiß die Antwort nicht.“
39devimüssen, sollenTNi devas iri hejmen. – „Wir müssen nach Hause gehen.“
40irigehen, fahrenIŜi iras al la lernejo. – „Sie geht zur Schule.“
47ŝatimögen, gernhabenTMi ŝatas muzikon. – „Ich mag Musik.“
50parolisprechen, redenT/IŜi parolas tri lingvojn. – „Sie spricht drei Sprachen.“
52vidisehenTMi vidas hundon en la ĝardeno. – „Ich sehe einen Hund im Garten.“
61venikommenIMia amiko venos morgaŭ. – „Mein Freund kommt morgen.“
67krediglaubenT/IMi kredas vin. – „Ich glaube dir.“
80pensidenkenT/IMi pensas pri vi. – „Ich denke an dich.“
83manĝiessenTNi manĝas pomojn. – „Wir essen Äpfel.“
84bezonibrauchen, benötigenTMi bezonas helpon. – „Ich brauche Hilfe.“
97okazigeschehen, passieren, stattfindenIKio okazis? – „Was ist passiert?“
99trovifindenTMi trovis mian ŝlosilon. – „Ich habe meinen Schlüssel gefunden.“
101donigebenTLi donas floron al ŝi. – „Er gibt ihr eine Blume.“
110helpihelfenT/IĈu vi povas helpi min? – „Kannst du mir helfen?“
111aĉetikaufenTŜi aĉetis novan libron. – „Sie hat ein neues Buch gekauft.“
112restibleibenIMi restas hejme hodiaŭ. – „Ich bleibe heute zu Hause.“
120petibitten (um)T/ILi petis panon. – „Er bat um Brot.“
121kompreniverstehenTMi ne komprenas la demandon. – „Ich verstehe die Frage nicht.“
124bonvoliso freundlich sein (bonvolu „bitte“)IBonvolu atendi minuton. – „Bitte warten Sie einen Moment.“
126laboriarbeitenILi laboras en banko. – „Er arbeitet in einer Bank.“
129vivilebenILa avo ankoraŭ vivas. – „Der Großvater lebt noch.“
131atendiwarten (auf), erwartenTMi atendas la buson. – „Ich warte auf den Bus.“
135rigardiansehen, anschauenTNi rigardas filmon. – „Wir sehen uns einen Film an.“
136proviversuchen, probierenTProvu denove! – „Versuch es noch einmal!“
137lernilernenTMi lernas Esperanton. – „Ich lerne Esperanto.“
140legilesenTŜi legas gazeton. – „Sie liest eine Zeitung.“
144aŭdihörenTMi aŭdas muzikon. – „Ich höre Musik.“
145amiliebenTLi amas sian familion. – „Er liebt seine Familie.“
146loĝiwohnenT/INi loĝas en malgranda urbo. – „Wir wohnen in einer kleinen Stadt.“
148deziriwünschenTMi deziras al vi feliĉon. – „Ich wünsche dir Glück.“
151sentifühlen, spürenTLi sentis doloron en la piedo. – „Er spürte einen Schmerz im Fuß.“
160lasilassenTLasu min paroli! – „Lass mich sprechen!“
161konikennenTĈu vi konas tiun viron? – „Kennst du diesen Mann?“
163ŝajnischeinenIŜajnas, ke pluvos. – „Es scheint, dass es regnen wird.“
166uzibenutzen, verwendenTMi uzas komputilon. – „Ich benutze einen Computer.“
169preninehmenTLi prenis sian ĉapelon. – „Er nahm seinen Hut.“
170opiniimeinen, der Meinung seinTKion vi opinias pri tio? – „Was meinst du dazu?“
172ludispielenT/ILa infanoj ludas en la ĝardeno. – „Die Kinder spielen im Garten.“
177alveniankommenILa trajno alvenis je la tria. – „Der Zug kam um drei Uhr an.“
179ekzistiexistieren, bestehenITiu vorto ne ekzistas. – „Dieses Wort gibt es nicht.“
182mortisterbenILa floroj mortis. – „Die Blumen sind gestorben.“
183skribischreibenTMi skribas leteron. – „Ich schreibe einen Brief.“
186sukcesigelingen, es schaffenIMi sukcesis trovi la hotelon. – „Ich habe es geschafft, das Hotel zu finden.“
188demandifragenTLi demandis, kie estas la stacidomo. – „Er fragte, wo der Bahnhof ist.“
190foririweggehen, fortgehenIŜi foriris sen vorto. – „Sie ging ohne ein Wort weg.“
191forgesivergessenT/IMi forgesis lian nomon. – „Ich habe seinen Namen vergessen.“
192trinkitrinkenTLi trinkas akvon. – „Er trinkt Wasser.“
194rajtidürfen, berechtigt seinIĈu mi rajtas eniri? – „Darf ich hereinkommen?“
200aspektiaussehenIŜi aspektas feliĉa. – „Sie sieht glücklich aus.“
203iĝiwerdenILi iĝis kuracisto. – „Er wurde Arzt.“
204vizitibesuchenTNi vizitos la avinon dimanĉe. – „Wir besuchen am Sonntag die Großmutter.“
205kapabliimstande sein, fähig seinTŜi kapablas solvi tiun problemon. – „Sie ist imstande, dieses Problem zu lösen.“
206perdiverlierenTMi perdis mian ombrelon. – „Ich habe meinen Regenschirm verloren.“
207ricevibekommen, erhaltenTŜi ricevis leteron de amiko. – „Sie bekam einen Brief von einem Freund.“
209revenizurückkommenILi revenos je la sesa. – „Er kommt um sechs Uhr zurück.“
212timifürchten, Angst haben vorTLa infano timas la hundon. – „Das Kind hat Angst vor dem Hund.“
215dormischlafenILa bebo dormas. – „Das Baby schläft.“
219ĉesiaufhörenILa pluvo ĉesis. – „Der Regen hat aufgehört.“
220plaĉigefallenITiu libro plaĉas al mi. – „Dieses Buch gefällt mir.“
222esperihoffenT/IMi esperas, ke vi venos. – „Ich hoffe, dass du kommst.“
224komencianfangen, beginnenTNi komencas la lecionon. – „Wir beginnen die Lektion.“
231renkontitreffen, begegnenTMi renkontis ŝin en la urbo. – „Ich habe sie in der Stadt getroffen.“
236necesinötig sein–Ne necesas rapidi. – „Es ist nicht nötig, sich zu beeilen.“
239serĉisuchenTMi serĉas mian telefonon. – „Ich suche mein Telefon.“
240studistudierenTŜi studas medicinon. – „Sie studiert Medizin.“
243metisetzen, stellen, legenTMetu la libron sur la tablon. – „Leg das Buch auf den Tisch.“
244montrizeigenTŜi montris al ni la vojon. – „Sie zeigte uns den Weg.“
249memorisich erinnernT/IMi memoras tiun tagon. – „Ich erinnere mich an diesen Tag.“
250eblimöglich sein–Ĉu eblas pagi per karto? – „Kann man mit Karte bezahlen?“
258atingierreichenT/INi atingis la supron de la monto. – „Wir haben den Gipfel des Berges erreicht.“
259troviĝisich befindenILa banko troviĝas apud la stacidomo. – „Die Bank befindet sich neben dem Bahnhof.“
260aŭskultizuhören, anhörenTNi aŭskultas radion. – „Wir hören Radio.“
264scipovikönnen, beherrschenTŜi scipovas naĝi. – „Sie kann schwimmen.“
267decidibeschließen, entscheidenTNi decidis resti hejme. – „Wir haben beschlossen, zu Hause zu bleiben.“
270elirihinausgehenT/ILi eliris el la ĉambro. – „Er ging aus dem Zimmer.“
271respondiantwortenT/IŜi respondis al mia letero. – „Sie antwortete auf meinen Brief.“
282fariĝiwerdenILa vetero fariĝis malvarma. – „Das Wetter wurde kalt.“
287sidisitzenILa kato sidas sur la seĝo. – „Die Katze sitzt auf dem Stuhl.“
288pagibezahlen, zahlenTMi pagis dek eŭrojn. – „Ich habe zehn Euro bezahlt.“
289enirihineingehen, eintretenT/IBonvolu eniri. – „Bitte treten Sie ein.“
291ŝanĝiändern, wechselnTMi ŝanĝis mian opinion. – „Ich habe meine Meinung geändert.“
302graviwichtig seinITio ne gravas. – „Das spielt keine Rolle.“
308rakontierzählenTLa avino rakontas fabelon. – „Die Großmutter erzählt ein Märchen.“
309forlasiverlassenTLi forlasis la urbon. – „Er hat die Stadt verlassen.“
311akceptiannehmen, akzeptierenTŜi akceptis la donacon. – „Sie nahm das Geschenk an.“
313kantisingenTŜi kantas belan kanton. – „Sie singt ein schönes Lied.“
314pasigiverbringen (Zeit)TNi pasigis la feriojn ĉe la maro. – „Wir haben die Ferien am Meer verbracht.“
316sendischicken, sendenTMi sendis mesaĝon al li. – „Ich habe ihm eine Nachricht geschickt.“
319malfermiöffnenTBonvolu malfermi la fenestron. – „Bitte öffnen Sie das Fenster.“
320mankifehlen, mangelnIAl mi mankas tempo. – „Mir fehlt die Zeit.“
321naĝischwimmenINi naĝas en la maro. – „Wir schwimmen im Meer.“
325igibewirken, veranlassenTTio igis ŝin ridi. – „Das brachte sie zum Lachen.“
326mortigitötenTLa malvarmo mortigis la florojn. – „Die Kälte hat die Blumen getötet.“

Von den 100 Verben sind 57 mit T, 27 mit I und 14 mit T/I markiert; für necesi und ebli gibt ReVo keine Markierung an. Drei Anmerkungen zu den Markierungen:

  • Modalverben gelten als transitiv. Nach povi, voli und devi ist der Infinitiv das direkte Objekt (PMEG), und ReVo sagt das bei devi ausdrücklich. Von den dreien nimmt nur voli auch ein gewöhnliches Substantiv als Objekt: Mi volas kafon.
  • Verben mit Suffix richten sich nach dem Suffix. ReVo hat keine Markierung für troviĝi und fariĝi; wir zeigen I, weil ein Verb mit -iĝ- nie ein Objekt hat. Pasigi, igi und mortigi mit -ig- haben immer eines.
  • Zusammensetzungen können von ihrer Basis abweichen. Alveni, reveni und foriri sind veni und iri mit einer Präposition oder Vorsilbe (siehe Präfixe) und bleiben intransitiv. ReVo markiert eliri und eniri mit T/I, weil der Ort ein Objekt sein kann (eniri la ĉambron, ein Beispiel in ReVo) oder nach einer Präposition stehen kann (eniri en la ĉambron).

Verben, die im Deutschen anders funktionieren

Die Bedeutungen in der Tabelle sind die halbe Miete; die andere Hälfte ist der Anschluss. Die folgenden Punkte zeigen, wo das Esperanto anders baut als das Deutsche. Alle Beispiele stehen in der Tabelle oben.

  • Kein „sich“. Viele deutsche Verben sind reflexiv, ihre Entsprechungen im Esperanto nicht: memori „sich erinnern“ (Mi memoras tiun tagon.), decidi „sich entscheiden, beschließen“, timi „sich fürchten“, rapidi „sich beeilen“ (in Ne necesas rapidi.). Wo das „sich“ ein Geschehen von selbst ausdrückt, steht -iĝ-: troviĝi „sich befinden“, ŝanĝiĝi „sich ändern“, sidiĝi „sich hinsetzen“. Das Wort sin braucht man nur, wenn das Subjekt wirklich etwas mit sich selbst tut: Li lavas sin. – „Er wäscht sich.“
  • Dativ im Deutschen, Akkusativ oder al im Esperanto. Das Esperanto hat keinen Dativ. „Mir helfen“ und „dir glauben“ sind helpi min und kredi vin, mit direktem Objekt und -n, ebenso aŭskulti iun „jemandem zuhören“. Bei doni, montri, sendi, deziri, plaĉi, manki und respondi kommt die Person mit al: Li donas floron al ŝi. – „Er gibt ihr eine Blume.“ Al mi mankas tempo. – „Mir fehlt die Zeit.“ Genau wie im Deutschen steht bei plaĉi das Ding als Subjekt: Tiu libro plaĉas al mi. – „Dieses Buch gefällt mir.“
  • Andere Präposition als im Deutschen. „Denken an“ ist pensi pri, nicht pensi al: Mi pensas pri vi. – „Ich denke an dich.“ „Was hältst du davon?“ ist Kion vi opinias pri tio? „Warten auf“ und „bitten um“ nehmen im Esperanto gar keine Präposition, sondern ein direktes Objekt: atendi la buson, peti panon. „Antworten auf“ ist respondi al.
  • Trennbare Verben sind ein Wort. Wo das Deutsche das Verb auseinanderreißt („Der Zug kommt um drei an“, „Sie geht weg“, „Er kommt zurück“), steht im Esperanto ein einziges Wort: alveni, foriri, reveni. Auch „hineingehen“ und „hinausgehen“ sind je ein Verb, eniri und eliri.
  • Können, dürfen, möchten. Das deutsche „können“ hat mehrere Entsprechungen: povi (Möglichkeit, auch Erlaubnis), scipovi (etwas gelernt haben: Ŝi scipovas naĝi. – „Sie kann schwimmen.“) und kapabli („imstande sein“). „Dürfen“ im Sinn von „berechtigt sein“ ist rajti. „Ich möchte“ gibt man höflich mit mi volus wieder (Konditional auf -us); mi volas heißt wörtlich „ich will“: Mi volus kafon. – „Ich möchte einen Kaffee.“
  • Wissen und kennen, wohnen und leben. Hier stimmen Deutsch und Esperanto überein, anders als das Englische mit seinem einen „to know“ und „to live“: scii ist „wissen“ (eine Tatsache), koni ist „kennen“ (eine Person, einen Ort), loĝi ist „wohnen“, vivi ist „leben“.
  • „Es gibt“ ist nicht doni. Doni heißt nur „geben“. Für „es gibt“ nimmt man estas oder, wenn es um Existenz geht, ekzistas: En la urbo estas parko. – „In der Stadt gibt es einen Park.“ Tiu vorto ne ekzistas. – „Dieses Wort gibt es nicht.“
  • Künftiges mit -os. Das Deutsche nimmt für die Zukunft oft das Präsens („Mein Freund kommt morgen“); im Esperanto steht üblicherweise -os: Mia amiko venos morgaŭ. Das deutsche „werden“ als Hilfsverb des Futurs („ich werde gehen“) ist nur die Endung -os; als eigenes Verb („Er wurde Arzt“) ist es iĝi oder fariĝi.
  • Kein „zu“ vor dem Infinitiv. „Ich versuche zu schlafen“ ist Mi provas dormi, ohne Wort für „zu“. Für „um … zu“ nimmt man por: Mi iras al la butiko por aĉeti panon. – „Ich gehe in den Laden, um Brot zu kaufen.“
  • Wohin und wo. Wie im Deutschen („auf den Tisch“ gegenüber „auf dem Tisch“) unterscheidet das Esperanto Richtung und Ort, aber nur mit -n, ohne dass sich der Artikel ändert: Metu la libron sur la tablon. – „Leg das Buch auf den Tisch.“ Dagegen La libro estas sur la tablo. – „Das Buch ist auf dem Tisch.“ Das Verb meti deckt „legen“, „stellen“ und „setzen“ ab.
  • Aussprache. V ist ein „w“ (voli WO-li, vidi WI-di, vivi WI-wi), ŝ ein „sch“ (ŝati SCHA-ti, ŝajni SCHAJ-ni), ĉ ein „tsch“ (ĉesi TSCHE-ßi), und das s ist immer stimmlos: sidi SSI-di, esti ES-ti, serĉi SSER-tschi. Ein aŭ klingt wie das „au“ in „Haus“ (aŭdi AU-di, aŭskulti au-SKUL-ti). Eŭro in Mi pagis dek eŭrojn spricht man „EU-ro“: eŭ ist e und u in einer Silbe, nicht „oi“ wie im deutschen „Euro“.

Paare wie komenci und komenciĝi

Das Deutsche trennt manche dieser Paare schon („enden“ und „beenden“, „ändern“ und „sich ändern“), andere nicht: „beginnen“ geht mit und ohne Objekt („Der Unterricht beginnt“, „Wir beginnen den Unterricht“). Das Esperanto trennt sie immer: komenci nimmt ein Objekt, komenciĝi nicht. Unten stehen sechs Paare aus der Liste. Die vollständige Regel mit mehr als 30 Paaren steht unter -ig- und -iĝ-.

Paar (Rang)WechselBeispiel
komenci (224) → komenciĝi (534)T → INi komencis la lecionon. – „Wir haben die Lektion begonnen.“ / La leciono komenciĝis. – „Die Lektion hat begonnen.“
fini (339) → finiĝi (467)T → IŜi finis la laboron. – „Sie hat die Arbeit beendet.“ / La laboro finiĝis. – „Die Arbeit war zu Ende.“
trovi (99) → troviĝi (259)T → IMi trovis la libron. – „Ich habe das Buch gefunden.“ / La libro troviĝas sur la breto. – „Das Buch befindet sich im Regal.“
fari (27) → fariĝi (282)T → IMi faris teon. – „Ich habe Tee gemacht.“ / La teo fariĝis malvarma. – „Der Tee ist kalt geworden.“
ŝanĝi (291) → ŝanĝiĝi (637)T → IMi ŝanĝis la planon. – „Ich habe den Plan geändert.“ / La plano ŝanĝiĝis. – „Der Plan hat sich geändert.“
morti (182) → mortigi (326)I → TLa floroj mortis. – „Die Blumen sind gestorben.“ / La malvarmo mortigis la florojn. – „Die Kälte hat die Blumen getötet.“

Ein bloßes La leciono komencis ist ein Fehler; sage La leciono komenciĝis. Die beiden Suffixe sind selbst Verben: iĝi „werden“ und igi „bewirken, veranlassen“, wie in Tio igis ŝin ridi. – „Das brachte sie zum Lachen.“

Esti, havi, povi, voli und devi mit einem Infinitiv

Folgt ein zweites Verb, bleibt es im Infinitiv, ohne „zu“ und ohne Präposition.

VerbMit einem InfinitivBeispiel
estiDer Infinitiv kann das Subjekt seinParoli Esperanton estas agrable. – „Esperanto zu sprechen ist angenehm.“
haviNicht für Pflicht; „müssen“ ist deviMi devas iri. – „Ich muss gehen.“
poviFähigkeit oder ErlaubnisŜi povas legi. – „Sie kann lesen.“
voliWunschMi volas dormi. – „Ich will schlafen.“
deviNotwendigkeitNi devas atendi. – „Wir müssen warten.“

Bei povi, voli und devi ist die Person, die kann, will oder muss, zugleich die Person, die handelt (PMEG). Ist der Handelnde ein anderer, nimmt man einen ke-Satz: Mi volas, ke vi venu. – „Ich will, dass du kommst.“ Viele weitere Verben der Tabelle nehmen ebenfalls einen Infinitiv: ŝati, bezoni, deziri, provi, komenci, lerni, decidi, scipovi und sukcesi.

So haben wir gezählt

Wir haben am 8. Oktober 2026 in unserer Datei esperanto-1000-common-words-de.csv gezählt. Sie stammt aus 822.296 Tatoeba-Sätzen mit 5.831.657 Wörtern, und jede Verbform zählt unter ihrem Infinitiv; die Methode steht auf der Seite 1000 häufigste Wörter.

  • 313 der 1000 Einträge sind Verben (31,3 %). Ihre per_million-Werte ergeben zusammen 175.641 pro Million, Verben machen also 17,6 % aller Wörter im Korpus aus.
  • 19 der 100 häufigsten Wörter sind Verben, und 88 der ersten 300.
  • Die 100 häufigsten Verben stehen auf den Rängen 3 bis 326 der Liste. Ihre per_million-Werte ergeben 141.900, das sind 14,2 % aller Wörter und 80,8 % aller Verbvorkommen, die die Liste abdeckt.
  • Die ersten 10, 20 und 50 Verben machen 8,1 %, 9,7 % und 12,1 % aller Wörter aus. Esti allein macht 4,1 % aus.

Die Wortarten ergeben sich aus den Endungen: Ein Eintrag auf -i gilt als Verb, und eine abgeleitete Form wird gesondert gezählt, komenci und komenciĝi sind also zwei Verben. Tatoeba enthält kurze, geschriebene, oft übersetzte Sätze; Romane oder gesprochene Sprache würden eine andere Reihenfolge ergeben, wie die Liste unter Wortschatz zeigt.

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Verben im Esperanto?

In unserer Liste sind die zehn häufigsten Verben esti, povi, havi, fari, diri, voli, scii, devi, iri und ŝati. Zusammen machen sie 8,1 % aller Wörter im Tatoeba-Korpus aus; esti allein macht 4,1 % aus.

Wie viele Esperanto-Verben muss ich kennen?

Die 20 häufigsten Verben decken in unserem Korpus 9,7 % aller Wörter ab, die 50 häufigsten 12,1 % und die 100 häufigsten 14,2 %. Jedes Verb hat dieselben Endungen, ein neues Verb kostet dich also nur seine Wurzel. Zu den übrigen Wortarten siehe die Liste der 1000 Wörter.

Gibt es unregelmäßige Verben im Esperanto?

Nein. Alle Verben, auch esti „sein“, haben die Endungen -i, -as, -is, -os, -us und -u, und die Form ändert sich nicht nach Person oder Zahl: mi iras, ili iras.

Woher weiß ich, ob ein Esperanto-Verb ein Objekt hat?

Schlage es in ReVo nach, das Verben als transitiv, intransitiv oder beides markiert. Du kannst auch nach dem Verb „wen?“ oder „was?“ fragen. Ein Verb mit -ig- hat immer ein Objekt, ein Verb mit -iĝ- nie; siehe -ig- und -iĝ-.

Wie sagt man „ich muss“ auf Esperanto?

Mit devi: Mi devas iri. – „Ich muss gehen.“ Das Verb havi bedeutet „besitzen“ (Mi havas libron) und wird nicht für Pflicht benutzt.

Wie sagt man „ich möchte“ auf Esperanto?

Mit dem Konditional: Mi volus kafon. – „Ich möchte einen Kaffee.“ Mi volas kafon heißt wörtlich „ich will einen Kaffee“.

Wie sagt man „es gibt“ auf Esperanto?

Mit estas oder ekzistas: En la urbo estas parko. – „In der Stadt gibt es einen Park.“ Doni bedeutet nur „geben“, nicht „es gibt“.

Quellen

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